Vegan au Château de Montreuil sur mer

Kotz, Kultur?! Das is‘ was für Schnösel und Angeber! Ja, sowas dachte ich auch… früher! Obwohl meine Eltern und Grosseltern großen Wert auf Welterkundung, Lektüre und künstlerische Aktivitäten legten, kann ich mich an keine direkte Konfrontation mit dem Begriff Kultur erinnern. Wir begegneten, ja lebten Kultur, tagtäglich ohne uns dies Bewusst zu sein.
Meine Eltern besichtigten mit mir so gut wie alle der 30 Burgen

und Schlösser im Oberen Mittelrheintal, meine Mutter fuhr mich zum Musik- und Sportunterricht (und der war nicht einmal die Woche, sondern vier Mal, und manchmal zwei Mal täglich). Als ich mit 7 anfing zu lesen, verbrachte ich Nächte mit Tkkg, meine Schwester Klara und Blitz. Die Sommerferien verbrachte ich in Frankreich bei meinen Großeltern. Mein Großvater fuhr mich täglich zum Reitstall, wo ich jährlich eine Reitprüfung ablegte. Zuhause wurde Deutsch und Französisch gesprochen, bei meiner Tante amerikanisch, und im Laden meiner Eltern sprachen viele Gäste den lokalen Dialekt.

Uns wird immer wieder vermittelt, Kultur sei klassische Musik und komische Gemälde, dabei ist Kultur doch alles, was uns umgibt. Tägliche finden kulturelle Begegnungen statt.

Streetart in Boulogne sur mer. Ein Clown auf Folie zwischen zwei Bäumen im Hafen.

Alles was der Mensch gestaltet ist Kultur. Landeskultur, Lebenskultur, Essenskultur, Kunstkultur, Sprachkultur

(Dialekte gehören ebenso zur Kultur) uvm. Die kulturelle Vielfalt ist Endlos. Das Studium an der Universität hat mir die

Augen geöffnet und mir klar gemacht, dass Kultur durch uns alle entsteht, ganz gleich ob arm oder reich, und jeder ein Recht auf deren Vielfalt hat.

Anfang August fand auf der Freilichtbühne Loreley die Oper „Die Zauberflöte“ von Mozart statt. Weisst Du, warum ich dahin gegangen bin, und auch noch alleine? Nur um ein einziges Lied live zu hören! Wahnsinnig? Irgendwie schon, aber geil 😀 Hört’s euch an: Die Zauberflöte (Mozart) – 2. Akt – Arie der Königin der Nacht «Der Hölle Rache». Darauf hab ich meine ganze Jugend gehofft 🙂 

Mitte August waren meine Retter (so nenne ich sie, weil ich dank ihnen noch am Leben bin 🙂 ) ganz in meiner Nähe. Seit

unserer Begegnung im Jahre 2001 führen sie mich in die schicksten Locations aus. Diesmal führte ihr Sonntagsausflug nach Montreuil sur mer ins Restaurant Château de Montreuil. Der Koch war so lieb und bereitete extra vegane Gourmetteller vor. War herzhaft gut.

Ende August, bei einem Hafenspaziergang in Boulogne sur mer, dann diese geile Streetart Begegnung. Weiter so! Unsere Strassen können nicht bunt genug sein. Hoffen wir mal, dass die Folie den Stämmen nicht schadet.

Mozerts Zauberflöte auf der Loreley Freilichtbühne St. Goarshausen