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Ein wunderbarer Semesterbeginn dank Umpolung der Gedanken

Schule war für mich der absolute Horror. Die blanke Angst. Lange Busfahrten, uninteressanter Unterricht, dominante Lehrer und ominös mobbende Mitschüler. Das reichte, um mich jeden Montag aus dem Verkehr zu ziehen, vor allem während der Grundschulzeit. Alleine der Gedanke an Schule machte mich krank. Klar, wer steht auf Mobbing & Co. Ich war so ein richtiger Angsthase geworden was Schule betraf. Und so zog sich das ganze Elend über Jahre hinweg. Selbst als ich vor zwei Jahren zur Universität kam mit bereits, euh… 27 Jahren?, war dieses Ohnmachtsgefühl wieder da. Die Integration dauerte Monate, denn von Natur aus gehe ich nicht auf Unbekannte zu, um sie voll zu labern. Aber nach und nach kamen Gespräche zustande und ich kam zum ersten Mal in eine richtige Clique, die bis zum Bachelorabschluss im Mai zusammen hielt.

Letzte Woche war Semesterbeginn an der neuen Uni. Schon Tage zuvor war die derbe Aufregung wieder da und die Gastritis meldete sich ebenfalls zurück. Zum Glück schaffte ich es diesmal die negativen Gedanken einfach ins Gegenteil umzuwandeln. Sobald ein unwohlschaffender Gedanke auftrat wie in etwa „Die sind sowieso alle doof und arrogant und ich pack das nicht“, liess ich direkt einem liebevollen Gedanken freien Lauf „Natürlich packst Du das und wir sitzen alle im selben Boot“. Dank der Umpolung der Gedanken und Emotionen erschien ich relativ relaxed an der Universität. Der erste Tag verlief so gut wie nie und die neuen Kommilitonen scheinen überaus korrekt zu sein.

Bin mega erleichtert, dass die traumatisierenden Ereignisse der Schule, die bei mir zu schweren Ängsten geführt hatten und mich all die Jahre begleiteten, endlich umgepolt werden konnten. Wahrlich ein Erfolg ♥.

September 13th, 2017|Living|

Wenn Flüchten gesund macht

„Du musst dich der Situation stellen. Flüchten macht es nur noch Schlimmer.“ Bist Du Ghandi oder was?! Manchmal hilft nur noch eins: die Beine unter die Arme packen und weg.
Seit Ende Dezember quält mich ja der Magen und dann kam auch noch letzte Woche die allabendliche akute Nesselsucht hinzu. Da passte es natürlich diese Woche frei zu haben, um dienstags eine Magenspiegelung durchzuführen. Drei Tage vor der Magenspiegelung hatte ich aber auf einmal so keinen Bock mehr auf alles, dass ich meinen Onkel anrief und fragte, ob er Bock auf ’ne krätzige Studentin hätte. Montags saß ich dann im Zug Richtung Poitier. Etwa 550 Km von Boulogne entfernt.

Er und seine Freundin leben ganz anders als ich. Vor allem leben sie mitten im nirgendwo, wo der nächste Supermarkt 15 Km entfernt ist, sind Fleischesser und Raucher. Ganz großer Tapetenwechsel also. Jetzt ist Donnerstag Abend und was ist passiert? Die akute Nesselsucht und die Magenschleimhautentzündungen sind wie weg. Ist das nicht krass? Die Sprüche Auf den Magen schlage und Die Krätze bekommen kommen nicht von sonst woher.
Einfach  mal das tun, worauf man Lust hat. Einfach mal abhauen und alles stehen und liegen lassen. Einfach mal Punk sein. Klar, morgen fahre ich zurück und dann ist der Stress wieder da und dann vermutlich auch die Magenschmerzen und die Nesselsucht, aber es zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns mit unnötigen Dingen Ballast anhängen und uns so krank machen.

Februar 24th, 2017|Living|

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung mit Sondergenehmigung

Hast Du auch einen Kindheitstraum? So einen Wunsch den Du für unrealisierbar hältst? Mein Kindheitstraum ist dabei Wirklichkeit zu werden. Was es ist? Was denkst du denn? Einmal auf dem Mond zu laufen? Singen wie Whitney Houston? Obama die Hand schütteln?

Mein großes Vorbild war und ist Miss Price aus dem Oskar prämierten Walt Disney Meisterwerk „Die tollkühne Hexe mit ihrem fliegenden Bett“. Die rebellische Oma mit dem knatternden Gespann mit der giftgrünen Abgaswolke und dem Hexenbesen versetzt mich seit jeher in andere Welten. Wie sie wollte ich also immer ein Gespann fahren und nicht nur bei Papa im Beiwagen der BMW 69S sitzen. Als Kind ist man zu jung, als Jugendliche zu krank, als Erwachsene dann körperlich zu stark eingeschränkt, um den Motorradführerschein zu machen. Frustrierend!

Im Sommer 2016 wollte ich’s dann endlich einmal getan haben: selbst eine Runde Gespann fahren. Aber woher das Gespann nehmen? Die wenigen, die Gespann fahren hängen an ihrem Ding wie Dagobert an seinen Goldmünzen ^^ Kein Witz!  Dank eines sehr guten Freundes und der darüber hinaus auch noch das vollste Vertrauen zu haben schien, ging der Traum doch noch in Erfüllung auf seinem BMW Renngespann. Das war so toll, dass wir gleich darauf einen Führerscheinantrag mit Sondergenehmigung bei der Zulassungsstelle stellten. Natürlich wurde ein solides ärztliches Schreiben verlangt für den TÜV. Zwei Monate später erhielten wir die Zustimmung. Dann aber rief uns de Zulassungsstelle zurück, der TÜV habe seine Zustimmung zurück gezogen. Hä, wie bitte?! Wie geht das denn? Er gütige Herr der Zulassungsstelle konnte uns dies auch nicht erklären und war selbst sichtlich irritiert. Wir wandten uns also an einen TÜV in einem anderen Bundesland (wir wohnen an der Grenze). Hier verlangt man eine kurze Vorstellung. Da es momentan zeitlich nicht klappt, werde ich mich dort im Juni vorstellen.

Dezember 11th, 2016|Living|

Auf den letzten Drücker wie immer und wie Extremgrinsen wieder glücklich macht

Hast Du das auch manchmal, dass Du erst im Stande bist Sachen zu erledigen, wenn’s fast schon zu spät ist? Ich hab morgen um 8 Uhr ’ne Anthropologie-Hausarbeit abzugeben. Zwei Monate Zeit gehabt und zwei Monate ’ne Kreativitätsblockade gehabt. „Oh, jetzt bin ich bereit! Noch ein paar Kekse, Saft, und los geht’s!“ Alles ist parat und griffbereit, man hat endlich eine bequeme Position gefunden und dann… tja, dann hockt man da, frisst die Kekse in sich rein, trinkt ’n Saft, weil die Dinger furz trocken sind und es passiert nichts. Absolute Schreibleere.

So gehen die Tage vorüber, dein ausgewähltes Thema findest Du auf einmal gar nicht mehr so genial und am Ende hast Du weder Thema noch Schreibfluss. Na herzlichen Glückwunsch 😀 Heute Morgen war mir dann klar, entweder Du schreibst heute Nacht diese Arbeit oder kassierst ’ne fette 6. Da ich kein Brain bin in den anderen Fächern bin ich absolut auf diese Note angewiesen. Jetzt ist es halb 2, es war Zeit für Abwechselung ^^

Beim Selfie machen kam mir außerdem noch was anderes in den Sinn. Angeblich löst das künstliche Extremgrinsen (so wie auf dem Foto) ein Glücksgefühl aus. Laut Vera Birkenbihl muss man dazu die ersten Male die Mundwinkel bis zur Schmerzgrenze hochziehen und so 60 Sek. halten. Es hätte dieselben positiven Eigenschaften wie das natürliche Lachen. Danach könne man es auf 10 Sek. reduzieren. Da ja die modernen Menschen im Schnitt so 100 Selfies am Tag machen und dabei oftmals genauso bescheuert grinsen (außer sie sind verwandt mit Donald Duckface), würde das ja bedeuten, dass diese Menschen viel glücklicher sind, als die, die eben keine Selbstportraits machen, oder? Also Leute, ab morgen verteilen wir Handys auf der ganzen Welt und alle sind glücklich 😀

Wer glücklich ist, ist auch effektiver. Also grinse ich mir jetzt noch einen ab beim Hausarbeit schreiben 😀

Dezember 8th, 2016|Living|

Breakdancing mit Handicap

Wer abseits von der Tanzpiste steht und „unauffällig“ die bewegende Masse beobachtet, erkennt schnell, dass tanzen mit zwei gesunden Beinen und Füßen für manch einen eine große Herausforderung darstellt 😀
Als ich das folgende Breakdance Battle Video entdeckte war mir klar: „Charly, das musst du probieren!“ Voller Elan und Inspiration knie ich also auf dem Boden, um die Standbild-Bewegung vom Video nachzumachen. Sieht doch ganz easy aus. Vermutlich einfach knien, Hände auf den Boden, dann langsam die Füße aufrichten und irgendwie eine Balance finden, um mit den Händen den Körper in der Luft zu halten. Genau so mache ich es. Kurz nach dem Moment „abheben und Füße in die Luft“ war allerdings so viel Leichtigkeit und Eleganz im Spiel, dass meine Arme einklappten, mein Gesicht mit dem Boden kollidierte und der Rest des Körpers einen Krater in der Erde hätte bilden können beim Aufprall:D Einen Versuch war es Wert 😉 Ganz großen Respekt an alle Breakdancer.

November 10th, 2016|Living, Unkategorisiert|

Gechillt durch’s Leben

In 25 Jahren Erkrankung sind wir, ich, viele Wege gegangen. Unser Leben verlief irgendwie überhaupt nicht so, wie es andere Familien vortragen wird oder wie man es aus dem Fernsehen kennt. Dinge wie Streit, Erkrankungen, Arbeitslosigkeit, Stress uvm. beeinflussen unser Leben und Werdegang. Obwohl wir mit diesen Situationen schon tausendfach konfrontiert wurden, schaltet unser Gehirn meist automatisch in den Sackgassen Modus.

  • Sackgassen Modus: Alles um sonst, die Mauer ist zu hoch, es führt kein Weg vorbei! Stampfend vor der riesigen Mauer stehen und Schnute ziehen ist die typische Reaktion. Man ist frustriert. Das alles für nichts und wieder nichts. Mein Leben ist scheiße.Die möglichen Gründe sind vielfältig. Hatte ich zu hohe Erwartungen an mich oder gar an jemanden anderen, der den innerlichen Frieden für mich finden sollte? Holzwege dienen oftmals der Selbstfindung bzw. der Achtsamkeit. Wenn ich also an so eine riesige Mauer gerate, dann überkommen mich Ärger und Emotionen, die ich kaum bändigen kann. Erst wenn der Kopf wieder frei ist kommen die klaren Gedanken zurück. Jetzt erst kann ich verstehen, welche Faktoren dazu beigetragen haben und jetzt erst kann ich objektiv Handeln. In meinem Fall musste ich auf einen Stamm klettern , weil ich zu klein bin. Da erkennt man dann auch ganz oft, dass man die helfenden Hände am Wegrand völlig übersehen hat, weil man so festgefahren war.

Nach 1000 erfolglosen Versuchen eine marktreife Glühbirne zu entwickeln, sagte Edison: „Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.“ Edison

Edisons Sichtweise kann erweitert werden:

  • Das Schlachtfeld bzw. der Weg über hundert Berge Modus: Ich hoffe und glaube daran! Voller Tatendrang zieht man los und überwindet die erste Hürde. Doch schon folgt die zweite und dritte. Völlig entkräftet und demotiviert steht man vor dem nächsten Berg, aber in mir glüht immer noch dieser Funke der Hoffnung. Ich gehe in mich hinein und mache eine Pause, tanke Kraft und weiß, ich schaffe das, weil ich stark bin.

    Die Flinte ins Korn zu schmeißen, dazu ist immer noch Zeit. Theodor Fontane

    Erlebst Du das auch so? Spürst Du den Unterschied?

Der Unterschied liegt alleine an der Perzeption bzw. im empfinden. In den beiden oben geschilderten Situationen begegne ich Schwierigkeiten. In der ersten jedoch überkommen mich starke Gefühle und Emotionen, die mich rasend machen und unheimlich viel Energie kosten. Im zweiten Beispiel bin ich zwar demotiviert, aber ich lasse mich von diesem Gefühl nicht einnehmen. Ich mache eine Pause, schaue auf die wunderschönen Blumen, trinke einen Tee und setze mich wieder in Bewegung. Ganz ohne Stress.

Ein tibetisches Sprichwort bringt es auf den Punkt:

Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.

Was denkst Du darüber? Witzigerweise war es bei mir so, dass beide Situationen zusammen auftraten, aber in verschiedenen Lebensbereichen.  Ob im Alltag, in der Schule oder beim Sport, sobald demotivierende Worte fielen, begründet oder unbegründet, geriet ich ins Zweifeln und war der Überzeugung ich sei nicht gut genug. Es fühlte sich an wie eine unbezwingbare schwarze Wand. Andererseits aber, fühlte ich mich unsterblich und übermenschlich stark, wenn’s um die Tumorbekämpfung ging. Erst nach dem Grundstudium an der Universität legten sich langsam die Zweifel. Sie bestehen heute noch teilweise, aber ich bin gewachsen und kann endlich über die Wand schauen.

November 2nd, 2016|Living|

Erwecke den Kämpfer in dir

Gerade bei einer schwerwiegenden Diagnose wie Krebs & Co, erhofft man Hilfe und Mitgefühl, doch stattdessen wird man noch vor Ort zusammengefaltet. „Sie haben das, wir machen jetzt dies, die Chancen stehen so,…!“. Oh, wie einfühlsam! Ein Brett direkt vor die Fresse geknallt zu bekommen hat wahrscheinlich den selben Effekt. Jetzt steht man da, ist sterbenskrank und hat nichts verstanden. Super! Und nun?! Jetzt heißt es: Stark sein und den Kämpfer in dir entdecken und erwecken. Oder wie ich es gerne nenne: in den Überlebens-Modus schalten.

Sag nicht mehr Ja und Amen zu allem. Rebelliere, protestiere, Schnauze rum. Häng das Lächeln an den Nagel, sag Deinem Nachbarn wie scheiße Du ihn findest, verdrück 500 gr. Schokolade wenn’s dich glücklich macht, bewältige Deine Ängste. Stell Dein Leben in Frage und nicht, warum ich? Diese Tipps richten sich an uns, Erwachsene. Kinder reagieren und agieren auf anderer Weise. Hole dir mehrere Ärztemeinungen ein. Ärzte sind wie Verkäufer, sie erzählen viel, wenn der Tag lang ist. Hinzukommt, dass sie auch nur Menschen und nicht allwissend sind. Die langjährigen Erfahrungen haben uns gezeigt, dass man manchmal sogar nach Lösungen im Ausland Ausschau halten muss, und nicht kooperierende Ärzte von Natur aus ein Brett vor dem Kopf haben. Eine Zweitmeinung ist nicht zwangsläufig kostspielig, da viele Krankenhäuser die Befunde per Post akzeptieren und bei der wöchentlichen Besprechung durchgehen. Hör auf Dein Bauchgefühl. Warum Du das tun solltest? Weil Dein Leben auf dem Spiel steht. Nicht irgendeines, DEINS! Dein Umfeld und die Ärzte werden vermutlich die erste Zeit verdutzt kucken und dir wahrscheinlich ein zweites Brett vor den Kopf knallen, aber das kennst Du ja bereits. In Paris gestand mir ein Arzt: „50% machen wir, die anderen 50% liegen an dir. Ohne Deinen Willen ist der Kampf bereits verloren.“.

Klar, für die Familie & Freunde ist es natürlich ein Schock und sie wollen dir nur gut. Hier geht’s jedoch  um dich und nur um dich. Du weißt, was richtig für dich ist.
Wie Du vielleicht merkst, funktioniert diese Methode bei mir ziemlich gut 🙂 Fast schon märchenhaft Gut 😀 Was ich damit sagen möchte ist, ganz egal, was dir erzählt wird von wegen es wird ein steiniger Weg, letzte Chance, keine Behandlungsmöglichkeiten mehr und was es alles noch so gibt: GIB NICHT AUF!

Das alles klingt wahrscheinlich ziemlich anstrengend, oder? Als 2009 mit 22 Jahren erneut das Kontrastmittel bei dem Halswirbel C1 hell aufleuchtete, hatte ich definitiv die Nase voll. Alle guten Dinge sind drei oder was?! Erst als Kind, dann als Jugendliche und zuletzt im Erwachsenenalter. Im Erwachsenenalter erkranken ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, denn da gehen einem nicht nur dermaßen blöde und irrelevante Dinge durch den Kopf, die der Heilung im Weg stehen, nein, man ist auch körperlich ein Wrack!

Die Odyssee des letzten Rückfalls hatte ihre Spuren hinterlassen. Mein Geist demonstrierte, mein Körper war müde geworden und mein Rückenmark glich nicht mehr einem starken Strang, sondern einem Faden. Eine Lösung musste her. Noch bevor mein Onkologe irgendwelche medizinische Maßnahmen ergriff, bereitete ich mich schon auf den nächsten Kampf vor. Dieser Kampf war symbolischer Natur. Die Kurzversion ist, dass ich mir die Haare abrasierte, wie eine Art symbolische Chemotherapie. Vermied zuckerhaltige Ernährung, weil ich dem Tumor keine Chance geben wollte sich gierig zu nähren. Mein Vater und ich reisten auf die Zugspitze, um der Höhenangst endlich adieu zu sagen und meine Mutter organisierte einen Trip zu einer 700 Km entfernten Heilerin.

Das Ende vom Lied? Der Tumor bildete sich zurück und ist seit 2012 mit 6mm x 12mm nahezu unverändert und stabil. Deshalb, aktiviere den Kämpfer in dir. Dem Schicksal kann man sich auch später stellen. Oh, dazu fällt mir ein, vielleicht sollte ich mein Lächeln irgendwann wieder vom Nagel runter holen 🙂

Oktober 30th, 2016|Living|

Bilderserie: Metamorphose des Großen Kohlweißlings

Unser 50 qm großer Garten ist wahrlich ein Paradies. Während drumherum gespritzt wird und alles akkurat sitzt, entwickelt sich unser Garten zu einem behüteten Nest der Artenvielfalt.

Ganz aus dem Häuschen waren wir, als der  Große Kohlweißling (Pieris brassicae) die Kapuzinerkresse in besitzt nahm. Hunderte von Larven entwickelten sich zu Raupen und aßen sich satt. Als dann schließlich morgens zwei Puppen draußen hingen (einer hing an der Mülltonne und wurde deplatziert, der andere auf dem Wäscheständer bekam ein Tuch über den Kopf um vom Regen geschützt zu werden), war die Freude enorm. Die Entwicklung war so spannend. Wer erlebt schon den kompletten Werdegang einer Larve zum Schmetterling? Die Metamorphose war überwältigend.  Die Schmetterlinge kämpften sich aus der Puppe an einem warmen sonnigen Tag. Da standen sie nun noch wackelig auf den Beinen mit nassen zerknitterten Flügeln. Nach einigen Stunden und mehreren Rettungen vor den Katzen ging’s endlich in die weite Welt.

 

September 19th, 2016|Living|

Drogenfrei und mir geht’s soooo gut =)

Es war heute zwar nicht die große Euphorie, aber mir geht’s guuuut. Nach dem Ritalin- und Stressentzug endlich wieder auf dem Weg zum Einklang mit mir selbst 🙂 Klare Gedanken youhou. Lange im Bett gammeln, ein gutes Bad, sich kleine Freude bereiten, hilfsbereite Menschen in der Umgebung haben (tausend Dank für’s Ladegerät ausleihen), mit dem Cousin Indisch essen gehen! Unser erster gemeinsamer Restaurantgang ❤ Wir sprachen übers Leben, übers Essen, schmunzelten, und ein Blick reichte, um zu wissen, was der andere dachte 🙂 Ja, letztendlich muss man sich gut überlegen, wie weit man bereit ist zu gehen, und ob es beim Überschreiten der Grenze noch ein Zurück ohne Konsequenzen gibt. Ritalin macht das Leben eben oftmals einfacher, aber nicht immer 🙂

April 7th, 2016|Living|

Klettern mit Behinderung

Klettern bringt Körper und Geist in Einklang. Wer an der Wand hängt, der denkt an nichts anderes mehr. Man ist vollkommen auf den Moment fixiert und hofft nur, nicht abzurutschen, trotz Sicherung. Klettern ist Balsam und kann mit körperlicher oder geistiger Behinderung praktiziert werden.

Eine französische 5B. Man sieht den rechten Fuß nach innen zeigen.

Wie ich zu diesem Sport kam ist reiner Zufall. Im Krankenhaus empfahl man mir diesen Sport mal auszuprobieren, um die Bein- und Rückenmuskulatur zu stärken. In meiner Jugend war Sport meine Religion und nach der erneuten Erkrankung suchte ich verzweifelt nach einer geeigneten Sportart. Trotz mega Höhenangst schrieb ich mich im Februar 2014 in einem Kletterverein ein. Klar, zwar war da die Höhenangst, aber auch die Angst ausgelacht zu werden aufgrund der Körperbehinderung. Man sieht sie eben und das ist krass unangenehm.

Im Gegensatz zu den „Normalos“, funktionieren bei mir an der linken Hand nur drei Finger und die Hände haben wenig Greifkraft. Das rechte Bein kehrt stark nach innen und hat kaum Tragekraft. Ein sehr ambitionierter Kletterer bot mir seine Hilfe an und so fanden wir nach und nach immer neue Möglichkeiten und Techniken die 9 Meter hohe Wand zu bezwingen.

Ganz wichtig bei wenig Kraft in den Händen ist die Verwendung von Magnesia (Chalk). Und ganz ehrlich, scheiß drauf, wenn es jemanden nicht passt. Wer gesunde Hände hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es für uns ist. Das allerwichtigste sind jedoch die Schuhe. Angefangen hab ich mit mit dem Scarpa Force X. Er ist der ideale Anfängerschuh, da er sehr gut gepolstert ist und eine sehr flexible Sohle hat. Nach zwei Jahren und bin dann zum Red Chili Sausalito IZ umgestiegen. Er ist eigentlich für den Felsen gedacht und hat deshalb eine sehr harte Sohle. Im Gegensatz zum Force X ist er nicht nur ein Schnürer, sondern hat eben auch eine viel dickere Sohle, die das ertasten unmöglich machen. Gerade aber die feste Sohle wird zum Vorteil bei Menschen mit einer Spastik. Die Fußspitze knickt nicht mehr ab und der Fuß bleibt stabil. Für den Anfang empfehle ich trotz allem den Force X, um die Zehen langsam an die Qualen heranzuführen 🙂

Obwohl ich wohl nie über die Schwierigkeitsskala 5C (Mitteleuropa 6) hinauskommen werde, bin ich trotz allem so richtig proud of me 🙂 und kann den Sport jedem wärmstens empfehlen, weil er nicht nur nur körperlich fit macht, er fördert auch das Selbstbewusstsein. Vor allem beim Absichern des Partners, wo vertrauen höchste Priorität hat.

Februar 11th, 2014|Living|