Universitätsklinikum, Mainz. An den Hausarzt.

04.10.1994 (ich bin 8 Jahre alt)

Akut: Fragliche Raumforderung paravertebral in der Halsmuskulatur rechts.

Jetzt wurde elektiv der Kontroll-Ultraschall dieses Bezirkes durchgeführt. Erneut konnten dort postoperative Veränderungen im Cervikal- wie oberen Thorakalbereich paravertebral gesehen werden.
Mit den Eltern und dem Großvater wurde besprochen, diese Region engmaschig zu kontrollieren und bei einem lokalen Tastbefund kurz­fristig wieder vorstellig zu werden. Ansonsten wurde die Rountine- kontrolle des Prozesses im Juni/Juli diesen Jahres per MRT, nach vorheriger Anmeldung besprochen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen, Prof.Dr.med.P. GUTJAHR

AKTENNOTIZ : nach der MRT-Untersuchung der o.g.,hier im Hause seit Jahren bekannten Patientin fanden mehrere Gespräche statt: zwischen mir und Herrn und Frau Rischen, in Ggw. von Frau Dr.Möllers am 13.10., zwischen Herm Rischen und Prof.Voth am 14.10.94.; zwischen Herrn Rischen und mir am 14.10.94. (telefonisch).

Es besteht zwischen den Beteiligten Konsens dahingehend, dass aufgrund des erhobenen MRT-Befundes derzeit keine operative Intervention durchgeführt werden sollte. Das Risiko eines solchen operativen Eingriffs würde ggw. den Nutzen mutmaßlich deutlich übertreffen.Das Kind ist klinisch derzeit in einem hervorragenden Zustand, motorisch nicht beeinträchtigt.

Es ist vielmehr sinnvoller, das weitere Vorgehen von MRT-Verlaufskontrolluntersuchungen bzw. von klinischen Besonderheiten abhängig zu machen : verschlechtert sich der neurologische Befund,ist eine operative Intervention neu zu erwägen.Tritt dies nicht ein,ist eine MRT-Kontrolle nach 4-6 Wochen vorzuschlagen.
Dies geschieht im Bewußtsein, daß bei Abwarten die Möglichkeiten einer operativen Intervention schlechter sein können als zur Zeit. Dabei darf nicht vergessen werden, daß auch bei einer ggw. erfolgenden OP die Möglichkeiten einer Radikaloperation eingeschränkt sind,ganz zu schweigen von den Risiken der OP.
All dies wurde eingehend zwischen den Beteiligten (am 14.10.94. auch zwischen Prof.Voth und mit} besprochen und, wie erwähnt,ein entsprechender Konsens im Sinne einer abwartenden Haltung erzielt.

Ich bitte um Veranlassung einer MRT-Kontrolle nach 4-6 Wochen. Besprechung und weiteres Procedere ist danach festzulegen.

Universitätsklinikum, Mainz

1. 12. 1994

Dringender Verdacht des Lokalrezidivs.Anamnese:

Die Vorgeschichte setzen wir als weitestgehend bekannt voraus. Charlotte kam am 4. 10. 1994 zur Routine-MRT-Untersuchung erneut zur Aufnahme. Sie war zu diesem Zeitpunkt unbeeinträchtigt, eutroph und in ihrem Verhalten ruhig. Die statomotorische sowie mentale Entwicklung ist geringgradig zurück.
Haut bis auf die Narben im Halsbereich ohne Pathologien. Augen, Ohren und Nase mit Normalbefund. Atmung seitengleich. Cor: regel­mäßiger Rhythmus, keine Geräusche. Abdomen weich, keine Organo- megalie. Nierenlager frei. Genitale weiblich. Sexualentwicklung infantil. Schädel, Stamm und Extremitäten mit normaler Anatomie.
Neurostatus: Reflexe lebhaft und seitengleich. Gang sicher. Trophik, Beugetonus, Strecktonus, grobe Kraft und Motilität an allen vier Extremitäten regelrecht.

Technische Untersuchungen:

In dem am 4. 10. 1994 durchgeführten MRT zeigte sich eine Kontrastmittelanreicherung unter der ehemals beschriebenen Stelle.
Es wurde von neuroradiologsicher Seite, zusammen mit Herrn Prof. Gutjahr, der dringende Verdacht eines Rezidivs geäußert.

Wir führten aus dem Liquor weitere cytologische Untersuchungen am 12. 10. 1994 durch, in dem Präparat ließen sich keine malignen Zellen nachweisen.

Zur weiteren Diskussion obiger Befunde verweisen wir auf den Ihnen schon übermittelten Arztbrief von Herrn Prof. Dr. Gutjahr vom 14. 10. 1994, in dem das weitere Vorgehen diskutiert ist.
Ein Kontroll-MRT wird kurzfristig empfohlen.

Für Rückfragen zum komplexen Krankheitsbild der jungen Patientin sind wir gerne bereit, telefonisch Auskunft zu geben.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Direktor der Klinik

Dr. med. H. Kamin Arzt für Kinderheilkunde