Klettern bringt Körper und Geist in Einklang. Wer an der Wand hängt, der denkt an nichts anderes mehr. Man ist vollkommen auf den Moment fixiert und hofft nur, nicht abzurutschen, trotz Sicherung. Klettern ist Balsam und kann mit körperlicher oder geistiger Behinderung praktiziert werden.

Eine französische 5B. Man sieht den rechten Fuß nach innen zeigen.

Wie ich zu diesem Sport kam ist reiner Zufall. Im Krankenhaus empfahl man mir diesen Sport mal auszuprobieren, um die Bein- und Rückenmuskulatur zu stärken. In meiner Jugend war Sport meine Religion und nach der erneuten Erkrankung suchte ich verzweifelt nach einer geeigneten Sportart. Trotz mega Höhenangst schrieb ich mich im Februar 2014 in einem Kletterverein ein. Klar, zwar war da die Höhenangst, aber auch die Angst ausgelacht zu werden aufgrund der Körperbehinderung. Man sieht sie eben und das ist krass unangenehm.

Im Gegensatz zu den „Normalos“, funktionieren bei mir an der linken Hand nur drei Finger und die Hände haben wenig Greifkraft. Das rechte Bein kehrt stark nach innen und hat kaum Tragekraft. Ein sehr ambitionierter Kletterer bot mir seine Hilfe an und so fanden wir nach und nach immer neue Möglichkeiten und Techniken die 9 Meter hohe Wand zu bezwingen.

Ganz wichtig bei wenig Kraft in den Händen ist die Verwendung von Magnesia (Chalk). Und ganz ehrlich, scheiß drauf, wenn es jemanden nicht passt. Wer gesunde Hände hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es für uns ist. Das allerwichtigste sind jedoch die Schuhe. Angefangen hab ich mit mit dem Scarpa Force X. Er ist der ideale Anfängerschuh, da er sehr gut gepolstert ist und eine sehr flexible Sohle hat. Nach zwei Jahren und bin dann zum Red Chili Sausalito IZ umgestiegen. Er ist eigentlich für den Felsen gedacht und hat deshalb eine sehr harte Sohle. Im Gegensatz zum Force X ist er nicht nur ein Schnürer, sondern hat eben auch eine viel dickere Sohle, die das ertasten unmöglich machen. Gerade aber die feste Sohle wird zum Vorteil bei Menschen mit einer Spastik. Die Fußspitze knickt nicht mehr ab und der Fuß bleibt stabil. Für den Anfang empfehle ich trotz allem den Force X, um die Zehen langsam an die Qualen heranzuführen 🙂

Obwohl ich wohl nie über die Schwierigkeitsskala 5C (Mitteleuropa 6) hinauskommen werde, bin ich trotz allem so richtig proud of me 🙂 und kann den Sport jedem wärmstens empfehlen, weil er nicht nur nur körperlich fit macht, er fördert auch das Selbstbewusstsein. Vor allem beim Absichern des Partners, wo vertrauen höchste Priorität hat.