Aufgeben war gestern

Verdacht auf neurogene Blasenentleerungsstörung

27.07.1992 (ich bin 5 Jahre alt)

Diagnose: Zustand nach Resektion und Bestrahlung eines AstrozytomsII, in einer Ausdehnung von Cs bis Thl, spastische Diplgie beider Beine, verdacht auf neurogene Blasenentleerungsstörung.

Zur Anamnese: Im Sommer 1991 erfolgte die Akutaufnahme und Behandlung der kleinen Patientin nachdem bei ihr ein Astrozytom II, das schon C4 bis Thl, spastische Diplegie beider Beine ausgedehnt war, diagnostiziert worden war. Jetzt stationäre Aufnahme zu Nachuntersuchungen. Das Mädchen hat sich inzwischen sehr gut ent­wickelt, besucht wieder den Kindergarten, vor allem hat sich die Motorik sehr gebessert, denn Laufen ist ohne fremde Hilfe wieder möglich.

Aufnahmebefunde: Sehr guter Allgemeinzustand, subjektiv vollkommen unbeeinträchtigt. Reizlose Narbe im Bereich der HWS, Extremitäten aktiv und passiv frei beweglich. Neurologisch weiterhin spastische Diplegie beider Beine, obwohl sich diese sehr deutlich gebessert hat. Motorik der Arme ist unauffällig. Reflexe an den unteren Extremitäten gesteigert, Fußkloni noch wenig vorhanden, erschöpflich, eine motorische Unsicher­heit ist weiter nachzuweisen. Das Mädchen kann ohne fremde Hilfe wieder laufen, Babinski rechts positiv.

Klinisch ist eine neurogene Blasenentleerungsstörung nach der vorange­gangenen schweren Querschnittssymptomatik zu vermuten, die Mutter be­richtet von sehr häufigem Harndrang und Entleerung des Urins nur in kleinen Portionen.

Labor und weitere Befunde: Normalwerte für Diff.-BB, Leber- und Nierenparameter, CRP, Urinstatus. Im Mittelstrahlurin Nachweis von 1.000 Keimen pro ml E.Coli. Rö-Wirbelsäule: Zustand nach Laminektomie von C4 bis C7 bei bekanntem Astrozytom. Unverändert fehlen die Bögen der unteren HWS und der ersten beiden BWK, kein Hinweis auf eine Luxation. Der dorsale Fortsatz von C3, C4 und C5 erscheint im Vergleich zur Voruntersuchung vermehrt abgestumpft, die hinteren Wirbelkörper erscheinen unscharf. Kein Hinweis für eine Destruktion. Vermehrte Sklerosierung der Bögen und Dornfortsätze im OP-Bereich, auch die Costovertebralgelenke von BWK I bis IV weisen eine vermehrte Sklerosierung auf.

Es zeigt sich eine grenzwertige Erweiterung des linken sowie des rechten Nierenbeckens extrarenal, die Blase kann nicht restharnfrei entleert werden.

Magnetresonanz-Tomographie der Wirbelsäule: Im Vergleich zur Voruntersuchung vom 17.12.1991 keine Befundänderung bei Zustand nach Laminektomie C4 bis Thl mit entsprechend operativen Veränderungen in den Weichteilen und Metallabriebartefakten am dorsalen Myelon, die die Beurteilung hier etwas einschränken.Es er­gibt sich kein Hinweis auf das Vorliegen eines Rezidiv-Tumors.**

Beurteilung: Insgesamt ein sehr erfreuliches klinisches und postop. Ergebnis, eine neurogene Blasenentleerungsstörung in der Folge der Erkrankung muß angenommen werden. Leider wünschten die Eltern des Kindes eine rasche Ent­lassung, so daß wir den Versuch einer medikamentösen Behandlung dieser Symptomatik nicht mehr vornehmen konnten (wer’s glaubt wird seelig -.-) . Wir empfehlen, das Kind des­halb in unserer nephrologisehen Sprechstunde ambulant vorzustellen, weiter bitten wir um regelmäßige Vorstellungen (etwa halbjährlich) in unserer onkologischen Ambulanz.