Auf Reisen

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Traumfabrik

In meinem Leben möchte ich vor Freude im Kreis springen, Spass haben und meinem inneren Kind die Welt zeigen ♥️ Träume sind für mich treibende Kräfte, die den Philosophen in uns wecken. Wir alle Träumen von ganz bestimmten Dingen, die wir gerne mal machen würden, aber nicht machen, weil wir uns die Zeit fehlt, die Kondition, das Geld… Ich glaube aber eher, uns fehlt vor allem die nötige Motivation und Überwindung. Ja genau, Überwindung! Man könnte bei der Realisierung schliesslich scheitern oder das erträumte entpuppt sich als das krasse Gegenteil.
Ich hab 2018 beschlossen, den Philosophen auf neue Reisen zu schicken um zu sehen, wie es sich anfühlt, Träume wahr werden zu lassen. Ich möchte mich nicht mehr zurückhalten.

2018-01-23T11:09:40+00:00 23. Jan. 2018|Traumfabrik|

Wenn Flüchten gesund macht

„Du musst dich der Situation stellen. Flüchten macht es nur noch Schlimmer.“ Bist Du Ghandi oder was?! Manchmal hilft nur noch eins: die Beine unter die Arme packen und weg.
Seit Ende Dezember quält mich ja der Magen und dann kam auch noch letzte Woche die allabendliche akute Nesselsucht hinzu. Da passte es natürlich diese Woche frei zu haben, um dienstags eine Magenspiegelung durchzuführen. Drei Tage vor der Magenspiegelung hatte ich aber auf einmal so keinen Bock mehr auf alles, dass ich meinen Onkel anrief und fragte, ob er Bock auf ’ne krätzige Studentin hätte. Montags saß ich dann im Zug Richtung Poitier. Etwa 550 Km von Boulogne entfernt.

Er und seine Freundin leben ganz anders als ich. Vor allem leben sie mitten im nirgendwo, wo der nächste Supermarkt 15 Km entfernt ist, sind Fleischesser und Raucher. Ganz großer Tapetenwechsel also. Jetzt ist Donnerstag Abend und was ist passiert? Die akute Nesselsucht und die Magenschleimhautentzündungen sind wie weg. Ist das nicht krass? Die Sprüche Auf den Magen schlage und Die Krätze bekommen kommen nicht von sonst woher.
Einfach  mal das tun, worauf man Lust hat. Einfach mal abhauen und alles stehen und liegen lassen. Einfach mal Punk sein. Klar, morgen fahre ich zurück und dann ist der Stress wieder da und dann vermutlich auch die Magenschmerzen und die Nesselsucht, aber es zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns mit unnötigen Dingen Ballast anhängen und uns so krank machen.

2017-05-15T21:45:49+00:00 24. Feb. 2017|Lebe!|

Erwecke den Kämpfer in dir

Gerade bei einer schwerwiegenden Diagnose wie Krebs & Co, erhofft man Hilfe und Mitgefühl, doch stattdessen wird man noch vor Ort zusammengefaltet. „Sie haben das, wir machen jetzt dies, die Chancen stehen so,…!“. Oh, wie einfühlsam! Ein Brett direkt vor die Fresse geknallt zu bekommen hat wahrscheinlich den selben Effekt. Jetzt steht man da, ist sterbenskrank und hat nichts verstanden. Super! Und nun?! Jetzt heißt es: Stark sein und den Kämpfer in dir entdecken und erwecken. Oder wie ich es gerne nenne: in den Überlebens-Modus schalten.

Sag nicht mehr Ja und Amen zu allem. Rebelliere, protestiere, Schnauze rum. Häng das Lächeln an den Nagel, sag Deinem Nachbarn wie scheiße Du ihn findest, verdrück 500 gr. Schokolade wenn’s dich glücklich macht, bewältige Deine Ängste. Stell Dein Leben in Frage und nicht, warum ich? Diese Tipps richten sich an uns, Erwachsene. Kinder reagieren und agieren auf anderer Weise. Hole dir mehrere Ärztemeinungen ein. Ärzte sind wie Verkäufer, sie erzählen viel, wenn der Tag lang ist. Hinzukommt, dass sie auch nur Menschen und nicht allwissend sind. Die langjährigen Erfahrungen haben uns gezeigt, dass man manchmal sogar nach Lösungen im Ausland Ausschau halten muss, und nicht kooperierende Ärzte von Natur aus ein Brett vor dem Kopf haben. Eine Zweitmeinung ist nicht zwangsläufig kostspielig, da viele Krankenhäuser die Befunde per Post akzeptieren und bei der wöchentlichen Besprechung durchgehen. Hör auf Dein Bauchgefühl. Warum Du das tun solltest? Weil Dein Leben auf dem Spiel steht. Nicht irgendeines, DEINS! Dein Umfeld und die Ärzte werden vermutlich die erste Zeit verdutzt kucken und dir wahrscheinlich ein zweites Brett vor den Kopf knallen, aber das kennst Du ja bereits. In Paris gestand mir ein Arzt: „50% machen wir, die anderen 50% liegen an dir. Ohne Deinen Willen ist der Kampf bereits verloren.“.

Klar, für die Familie & Freunde ist es natürlich ein Schock und sie wollen dir nur gut. Hier geht’s jedoch  um dich und nur um dich. Du weißt, was richtig für dich ist.
Wie Du vielleicht merkst, funktioniert diese Methode bei mir ziemlich gut 🙂 Fast schon märchenhaft Gut 😀 Was ich damit sagen möchte ist, ganz egal, was dir erzählt wird von wegen es wird ein steiniger Weg, letzte Chance, keine Behandlungsmöglichkeiten mehr und was es alles noch so gibt: GIB NICHT AUF!

Das alles klingt wahrscheinlich ziemlich anstrengend, oder? Als 2009 mit 22 Jahren erneut das Kontrastmittel bei dem Halswirbel C1 hell aufleuchtete, hatte ich definitiv die Nase voll. Alle guten Dinge sind drei oder was?! Erst als Kind, dann als Jugendliche und zuletzt im Erwachsenenalter. Im Erwachsenenalter erkranken ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, denn da gehen einem nicht nur dermaßen blöde und irrelevante Dinge durch den Kopf, die der Heilung im Weg stehen, nein, man ist auch körperlich ein Wrack!

Die Odyssee des letzten Rückfalls hatte ihre Spuren hinterlassen. Mein Geist demonstrierte, mein Körper war müde geworden und mein Rückenmark glich nicht mehr einem starken Strang, sondern einem Faden. Eine Lösung musste her. Noch bevor mein Onkologe irgendwelche medizinische Maßnahmen ergriff, bereitete ich mich schon auf den nächsten Kampf vor. Dieser Kampf war symbolischer Natur. Die Kurzversion ist, dass ich mir die Haare abrasierte, wie eine Art symbolische Chemotherapie. Vermied zuckerhaltige Ernährung, weil ich dem Tumor keine Chance geben wollte sich gierig zu nähren. Mein Vater und ich reisten auf die Zugspitze, um der Höhenangst endlich adieu zu sagen und meine Mutter organisierte einen Trip zu einer 700 Km entfernten Heilerin.

Das Ende vom Lied? Der Tumor bildete sich zurück und ist seit 2012 mit 6mm x 12mm nahezu unverändert und stabil. Deshalb, aktiviere den Kämpfer in dir. Dem Schicksal kann man sich auch später stellen. Oh, dazu fällt mir ein, vielleicht sollte ich mein Lächeln irgendwann wieder vom Nagel runter holen 🙂

2017-03-28T14:27:15+00:00 30. Okt. 2016|Lebe!|

Alles um uns herum ist Kultur

Vegan au Château de Montreuil sur mer

Kotz, Kultur?! Das is‘ was für Schnösel und Angeber! Ja, sowas dachte ich auch… früher! Obwohl meine Eltern und Grosseltern großen Wert auf Welterkundung, Lektüre und künstlerische Aktivitäten legten, kann ich mich an keine direkte Konfrontation mit dem Begriff Kultur erinnern. Wir begegneten, ja lebten Kultur, tagtäglich ohne uns dies Bewusst zu sein.
Meine Eltern besichtigten mit mir so gut wie alle der 30 Burgen

und Schlösser im Oberen Mittelrheintal, meine Mutter fuhr mich zum Musik- und Sportunterricht (und der war nicht einmal die Woche, sondern vier Mal, und manchmal zwei Mal täglich). Als ich mit 7 anfing zu lesen, verbrachte ich Nächte mit Tkkg, meine Schwester Klara und Blitz. Die Sommerferien verbrachte ich in Frankreich bei meinen Großeltern. Mein Großvater fuhr mich täglich zum Reitstall, wo ich jährlich eine Reitprüfung ablegte. Zuhause wurde Deutsch und Französisch gesprochen, bei meiner Tante amerikanisch, und im Laden meiner Eltern sprachen viele Gäste den lokalen Dialekt.

Uns wird immer wieder vermittelt, Kultur sei klassische Musik und komische Gemälde, dabei ist Kultur doch alles, was uns umgibt. Tägliche finden kulturelle Begegnungen statt.

Streetart in Boulogne sur mer. Ein Clown auf Folie zwischen zwei Bäumen im Hafen.

Alles was der Mensch gestaltet ist Kultur. Landeskultur, Lebenskultur, Essenskultur, Kunstkultur, Sprachkultur

(Dialekte gehören ebenso zur Kultur) uvm. Die kulturelle Vielfalt ist Endlos. Das Studium an der Universität hat mir die

Augen geöffnet und mir klar gemacht, dass Kultur durch uns alle entsteht, ganz gleich ob arm oder reich, und jeder ein Recht auf deren Vielfalt hat.

Anfang August fand auf der Freilichtbühne Loreley die Oper „Die Zauberflöte“ von Mozart statt. Weisst Du, warum ich dahin gegangen bin, und auch noch alleine? Nur um ein einziges Lied live zu hören! Wahnsinnig? Irgendwie schon, aber geil 😀 Hört’s euch an: Die Zauberflöte (Mozart) – 2. Akt – Arie der Königin der Nacht «Der Hölle Rache». Darauf hab ich meine ganze Jugend gehofft 🙂 

Mitte August waren meine Retter (so nenne ich sie, weil ich dank ihnen noch am Leben bin 🙂 ) ganz in meiner Nähe. Seit

unserer Begegnung im Jahre 2001 führen sie mich in die schicksten Locations aus. Diesmal führte ihr Sonntagsausflug nach Montreuil sur mer ins Restaurant Château de Montreuil. Der Koch war so lieb und bereitete extra vegane Gourmetteller vor. War herzhaft gut.

Ende August, bei einem Hafenspaziergang in Boulogne sur mer, dann diese geile Streetart Begegnung. Weiter so! Unsere Strassen können nicht bunt genug sein. Hoffen wir mal, dass die Folie den Stämmen nicht schadet.

Mozerts Zauberflöte auf der Loreley Freilichtbühne St. Goarshausen

2017-03-29T14:29:04+00:00 29. Aug. 2016|Unterwegs|

Einen wunderschönen Guten Morgen

Kennt ihr das auch, wenn ihr morgens wach werdet und euch fühlt wie auf einer Wolke? Man sich gar nicht traut die Position zu wechseln, weil man einfach perfekt liegt? Sich dann schließlich streckt und man fast erschrocken ein großes lächeln den Lippen entnehmen kann? So ging es mir heute. Ein fantastisches Gefühl 🙂

Und als dann gegen 10:30 Uhr beim Radfahren am Rhein diese super süsse Familie vorbei kam und noch zwei Schwäne angeflogen kamen, ja, dan war’s dann um mich geschehen. Ich dachte, ich brech ab ❤

Die schönste Reise ist die, die Schönheit vor seiner Haustür zu erkennen und zu schätzen, oder?

2017-03-29T13:40:00+00:00 08. Apr. 2016|Unterwegs|

Road trip 2015

Ein 6000 Km Roadtrip in 51 Tagen

23. August 2015

Vor 42 Tagen ging die Reise ins (teilweise) Unbekannte los. Seitdem wurden über 5000 Km zurückgelegt.

Los ging’s von Boulogne sur mer Richtung Monts-sur-Guesnes, unterhalb von Tour, zu meinem Onkel. Die Fahrt dorthin hatte wirklich nichts aufregendes – Autobahn, Zahlstellen, Felder. 40 Km vor Monts-sur-Guesnes endet die Autobahn und ab hier ist Bundesstraße angesagt. Mja, in Deutschland würde man die hier sogenannten „Bundesstraßen“ teilweise eher „Weg“ nennen. Gut, nach 550 Km kommt einem die Fahrt schon lang vor und man will einfach nur ankommen also scheissegal ob Bundesstraße oder Weg, vollgas!

Die Bundesstraße

Die Bundesstraßen haben ein Tempolimit von 90 km/h. Anhand des Bildes kann man sich vorstellen, dass es hier eher wie auf ’ner Rallye zugeht. Wir befinden uns außerdem hier in einer sehr wichtigen Agrar-Region. Felder Kilometerweit, zig Burgen, leere Dörfer und Dutzende mega Traktoren, die ebenfalls mit Speed unterwegs sind. Kurz vor Ankunft wäre es dann fast um mich geschehen. Enge Kurven, 90 km/h auf dem Taro und plötzlich „Stop in 150 m“. Der Blick auf den sehr schnell näher kommenden 40 Tonner voll beladen bis oben hin mit Stroh machte die Vollbremsung nicht angenehmer.

 

Die ehemaligen Stallungen in alter Handwerkskunst umgebaut.

Endlich erreiche ich das Kaff, Monts-sur-Guesnes, und das kleine Häusschen… WTF!

Die ehemaligen Stallungen von der Burg… 400 m² Wohnfläche… in Restaurierung… Um’s gleich richtig zu stellen: Nein, ihm gehört dieses tolle Anwesen nicht. Er durfte dort lediglich einige Zeit hausen 🙂

Auf dem linken unteren Bild sieht man türkis-

Das Prinzessinenzimmer mit Blick auf die Burg

farbene Balken an der Decke. Im Mittelalter wurden diese so angemalt, um die Fliegen fern zu halten. Das gesamte Gebäude besteht aus weichem beigen lokalen Gestein, so wie die meisten Häuser in der Gegend.

 

 

 

 

Der Wald von Scévolles

Neben einem 4 ha großen Teich, von Freiwilligen angelegte Holzspiele, Figuren, Entdeckerhütten und unzählige Beschreibungen, ist einer der Wanderwege sogar „Tourisme & Handicap“ labelisiert. Der 1600m lange Weg ist für alle zugänglich, sogar mit Rollstuhl. Die Bilder entstanden auf dem Akazienweg (5000m).

Festival d’Yzeures

Heisssss! Es knallt und zwar so richtig! Ausgetrocknete Felder, tausende Besucher, Staubwolken! Shaka Ponk ist sehenswert!

Manstone – Aldawa – Yaniss Odua & Artikel Band – Shaka Ponk und High Tone feat. Oddateee haben das Feld gerockt.

 

La vallée des singes

Ich bin kein Anhänger zoologischer Parks und eingesperrter Tiere. In diesem Park sah ich zum ersten Mal glückliche Affen in „naturtreuen“ Gehegen mit echten riesengroßen Bäumen, Gras und Bächen. Spielende Affen, was will man mehr?

 

Les Apiculteurs réunis – Monts-sur-Guesnes

Mein Cousin und ich durften René zu seinen Bienen begleiten. Eingemummt wie Schneemänner bei 40°C und dazu noch den Schutzanzug… Nach 15 Min. in der prallen Sonne gab ich auf und schaute aus der Ferne im Schatten zu. Der Imnker – Verein setzt schärfere Massstäbe als die Bio-Kultur vorgibt und unterrichtet Kinder und Erwachsene.

 

Ethni’cité – Les maisons troglodytes de Saint Rémy sur Creuse

Etwa 50 Km von Monts-sur-Guesnes befinden sich die Wohnhöhlen von Saint Rémy. Ein Umgebungswechsel ist hier garantiert! Schon von weitem sieht man den Felsen in der kargen Landschaft. Am Fuss der Häuser wachsen Bananenbäume mit Früchten und andere exotische Exemplare. Banenen in Frankreich? Ja! Ich konnte es auch kaum glauben, aber aus jedem 4. Garten sprießt solch ein Ding.

 

Elsass & Schweizer Alpen

Vom Grimselpass zum SidelhornAm 2. August ging die Fahrt weiter in den Elsass und in die Schweizer Alpen. Dank Ritalin konnte ich die 760 Km nach Bergheim im Elsass ganz gut meistern. Dort angekommen war wie nach Hause kommen – endlich wieder Gebirge in Sicht! Zwei Tage später hieß es wieder Volle Fahrt voraus und Richtung Grimselpass mit meinem Elsässer Kumpel.

Die Reise dorthin konnte natürlich nicht stattfinden ohne einen Halt an der Quelle des seit meiner Geburt begleiteten Flusses zu machen: Der Wasserfall von Schaffhausen.

Das Wetter war perfekt und die Strassen waren nicht mit Touristen überfüllt. Wir parkten auf dem grossen Parkplatz in der Stadt. Ein 10 minutiger Fussmarsch führte uns schliesslich zur Quelle des Rheins… und zum Schauplatz aller Touris! Grosse, kleine, dunkle, helle, behütete, behinderte, schmale, maskierte Menschen liefen wirr wie die Ameisen umher. Erst Mal ein Sandwich, Menschen ausblenden und bestaunen.

Geladen voll positiver Ionen fuhren wir weiter zum Grimselpass. Die Auffahrt zum Grimselpass ist einfach überwältigend! Irre Berge, irre Seen und millionenschwere Staudämme!

Das einzig freie Hotel war das Hôtel du Rhone… Für 190 Tacken die Nacht erwartet man wenigstens eine schließende Badetür. Da bringt auch die nostalgische Wanne nix!

Egal, endlich in den Alpen, und so langsam steigt auch die Einsamkeit… kein Internet, kostenpflichtige SMS, kein Empfang nach Deutschland,…, Ja, ich bin Opfer der modernen Zivilisation!

Nach einer sehr erholsamen Nacht stand der Marsch zum Sidelhorn auf dem Plan. Gewaschen, gesättigt und gerüstet fuhren wir wieder hoch zum Grimselpass und die Tour began. Mein Kumpel hatte die Wandertour einige Jahre zuvor in drei Stunden vollbracht. Aufgrund meines Handicaps berechneten wir, dass wir gute 5 Stunden bräuchten. Mein Rucksack war vollgepackt wie immer und los ging’s: Morgens halb 10 in der Schweiz. Es war wunderschöns wolkenloses Wetter mit Temperaturen um die 25 °C.

Der Parkplatz war relativ gut beparkt, aber der Aufstieg war fast menschenfrei. Wir trafen hier und da ein paar nette Wanderer und „Grützli“ war in den nächsten Stunden unser Standardwort. Die ersten Stunden verliefen wunderbar und ich hielt ganz gut mit, aber dann machte mir der Berch un die Luft richtich zu schaffe. Durch den ehemaligen Luftröhrenschnitt und den Pneumothorax bleibt mir eine Lungenkapazität von ca. 68 % 52%. Das machte sich jetzt schön bemerkbar ^^ Wie ein Gaul auf der Rennbahn schnaufte ich und trank was das Zeug hielt. Zwischen drin zückte ich Traubenzucker oder ein Rocher. Ja, Oma hatte eine ganze Ladung per Post geschickt! Nach etwa 3,5 Stunden standen wir nun unterhalb des Sidelhorns und ich wollte einfach nicht mehr. Oben ankommen is ja schön, aber man muss auch wieder runter, gelle. Also saß ich da, bereit aufzugeben und genoss die traumhafte Aussicht und war beeindruckt im August Eis unter meinen Füßen zu spüren…

Ab nun an war’s nur noch eine Kletterparti… Ich und körperlich Aufgeben… träumste ^^ Beine unter die Arme, Fresse halten und ab ging die Lutzi. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie froh und stolz ich war endlich oben anzukommen!Der Abstieg war, im Gegensatz zum Aufstieg, ein echter Alptraum. Anstatt denselben Weg runterzugs zu nehmen, nein, mein Kumpel wollte einen anderen Weg gehen. Wäre auch zu einfach gewesen ^^ Du stehst also da auf 2700 m Höhe, hast gerade alles gegeben, hast kaum noch Nahrung und Wasser und bist vor allem Gehbehindert. Sozusagen die optimalen Voraussetzungen für eine erfüllende Wanderung. Die ersten Meter bergab ging’s balancierend über riesige Steinbrocken und dann begann der Alptraum aller Spastiker. Bilder vom Abstieg gibt’s keine. Da war ich längst in den Überlebensmodus übergegangen. Der Berg war schon steil und der Boden übersät mit haltlosen Steinbrocken. Mein rechter Fuß überdehnt sich nach Rechts, wenn kein Halt geboten ist… Lauf mal einen Berg ab mit einem Fuß der kontinuierlich nach Rechts knickt. Viel Spass. Die folgenden 4 Stunden verbrachte ich also damit jeden Tritt genaustens zu kalkulieren, den Fuß an jeden Stein schräg anzusetzen, das Gewicht auf das linke Bein zu verlagern… Ich wusste, dass bei der kleinsten Aufmerksamkeit der Knöchel regelrecht durch die Haut schießen würde. Weinen hätte ich können vor Schmerzen. Und dann fragste dich, was gibt es für Alternativen. Bergrettung? ADAC? Musste das selbst zahlen? Da du zur armen Fraktion gehörst schlägste dir das ganz schnell wieder aus dem Kopf und läufst einfach weiter und hoffst dir nicht den Knöchel zu brechen und bald auf ’ne Quelle für Wasser zu stoßen. Und irgendwann, irgendwann, sieht man aus der Ferne wieder Land, einen Parkplatz und Autos… Ja, nur noch 2 Stunden!

Wir haben insgesamt 9,5 Stunden gebraucht und diese 9,5 Stunden werde ich nieee vergessen! Alle Emotionen waren vertreten. Vom Tetraplegiker zum Sidelhorn! Geil! 🙂 Wie schon erwähnt war der Abstieg mehr als schmerzvoll. Der Nagel ist mittlerweile noch vorhanden aber abgestorben. Und rechts sieht man einen 1a Sonnenbrand. Klar, die Sonne dort oben gibt alles. Die weisse Stelle auf dem Hals ist bereits abgezogene Haut. Ja, wie ’ne Schlange! Hrhr! Aber das war’s sowas von Wert!! Nach 2 Stunden Autofahrt erreichten wir abends dann unsere neue Bleibe für die nächsten zwei Tage – Sitten. Dort war es so unerträglich heiss, dass ich zwei Tage auf dem Sofa vorm TV verbrachte und die Brühe nur so lief trotz Ventilator.

Montreux, Neuchâtel und der Staubdamm von Dixence

Montreux

Nach zwei Tagen Sitten verlief die Fahrt weiter nach Neuenburg (Neuchâtel) zu weiteren Freunden von meinem Kumpel. Der Weg führte am Genfersee vorbei und ich wollte unbedingt bei den Neureichen in Montreux Halt machen. Gesagt, getan. Die Sonne hatte auch heute wieder mal kein Erbahmen als wir direkt einen Parkplatz am „Strand“ fanden. Na ja, Strand ist unangemessen… 50 Meter weiter sah man einen eingegrenzten Bereich mit Sand, fast übereinanderliegende Menschen und daneben Schotter-Wiese für die nicht ganz so Reichen. 15 Min. Pause, eine geschmolzene Yogurette und weiter gings.

Als wir abends ankamen feierten sie im Wald. Es herrschte eine ganz besondere Stimmung. Diese Nacht gehört zu den unvergesslichen Momenten einer Reise 🙂 Auf dem Bild sieht man den Gartenausblick. Herrlich. Das war meine erste Meditation mit Blick auf den Neuenburgersee 🙂 Absolut empfehlenswert!

Kurz vor Abreise fuhren wir hoch zum Staudamm von Dixence, dem schwersten Staudamm der Welt. Auf der Fahrt dorthin begrüssten uns zwei Murmeltiere. Die ersten in freier Natur, die ich sehe 🙂 Um 8 Uhr standen wir allein vorm Staudamm. Die Touris waren wohl noch alle im Bett. Also wurde erstmal herzhaft gefrühstückt. Gestärkt konnte die nächste Expedition starten. Keine Angst, wir liefen nur etwa zwei Stunden, weil die Rückreise anstand, aber diese zwei Stunden waren ebenfalls der Knaller. Trotz des künstlichen Staudammss ist die Landschaft einmalig schön. Riesige Tunnel führen am Staudamm entlang und enthüllen jedes Mal eine andere Augenweide.

Aber alle guten Dinge haben ein Ende und so traten wir nach zwei Tagen die Fahrt zurück in den Elsass an… Dort vergingen zwei weitere Tage und nach 760 Km, viel Ritalin, war ich endlich zurück in Monts-sur-Guesnes.

Ich bin sehr glücklich über diese Reise, weil ich viel über andere, aber vor allem über mich selbst gelernt habe. Heute weiss ich, dass trotz der Behinderung ich genau so auf den Berg komme wie andere. Ich brauch eben nur etwas länger. Seitdem ich zurück bin fahre ich auch wieder Rad. Wie angenehm das auf einmal wieder sein kann. Fast täglich fahre ich nun meine 15 Km in 60 Min., relax, mit Landschaft ankucken und so. Hab doch Zeit 🙂 Tja, am 1. September geht’s dann zurück nach Hause… Und der Ernst des Lebens nimmt wieder seinen Lauf…  Aber hey, Roadtrip 2016… Gibt’s Sponsoren? 😀

2017-03-28T23:17:21+00:00 23. Aug. 2015|Unterwegs|