Ernährung

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Erwecke den Kämpfer in dir

Gerade bei einer schwerwiegenden Diagnose wie Krebs & Co, erhofft man Hilfe und Mitgefühl, doch stattdessen wird man noch vor Ort zusammengefaltet. „Sie haben das, wir machen jetzt dies, die Chancen stehen so,…!“. Oh, wie einfühlsam! Ein Brett direkt vor die Fresse geknallt zu bekommen hat wahrscheinlich den selben Effekt. Jetzt steht man da, ist sterbenskrank und hat nichts verstanden. Super! Und nun?! Jetzt heißt es: Stark sein und den Kämpfer in dir entdecken und erwecken. Oder wie ich es gerne nenne: in den Überlebens-Modus schalten.

Sag nicht mehr Ja und Amen zu allem. Rebelliere, protestiere, Schnauze rum. Häng das Lächeln an den Nagel, sag Deinem Nachbarn wie scheiße Du ihn findest, verdrück 500 gr. Schokolade wenn’s dich glücklich macht, bewältige Deine Ängste. Stell Dein Leben in Frage und nicht, warum ich? Diese Tipps richten sich an uns, Erwachsene. Kinder reagieren und agieren auf anderer Weise. Hole dir mehrere Ärztemeinungen ein. Ärzte sind wie Verkäufer, sie erzählen viel, wenn der Tag lang ist. Hinzukommt, dass sie auch nur Menschen und nicht allwissend sind. Die langjährigen Erfahrungen haben uns gezeigt, dass man manchmal sogar nach Lösungen im Ausland Ausschau halten muss, und nicht kooperierende Ärzte von Natur aus ein Brett vor dem Kopf haben. Eine Zweitmeinung ist nicht zwangsläufig kostspielig, da viele Krankenhäuser die Befunde per Post akzeptieren und bei der wöchentlichen Besprechung durchgehen. Hör auf Dein Bauchgefühl. Warum Du das tun solltest? Weil Dein Leben auf dem Spiel steht. Nicht irgendeines, DEINS! Dein Umfeld und die Ärzte werden vermutlich die erste Zeit verdutzt kucken und dir wahrscheinlich ein zweites Brett vor den Kopf knallen, aber das kennst Du ja bereits. In Paris gestand mir ein Arzt: „50% machen wir, die anderen 50% liegen an dir. Ohne Deinen Willen ist der Kampf bereits verloren.“.

Klar, für die Familie & Freunde ist es natürlich ein Schock und sie wollen dir nur gut. Hier geht’s jedoch  um dich und nur um dich. Du weißt, was richtig für dich ist.
Wie Du vielleicht merkst, funktioniert diese Methode bei mir ziemlich gut 🙂 Fast schon märchenhaft Gut 😀 Was ich damit sagen möchte ist, ganz egal, was dir erzählt wird von wegen es wird ein steiniger Weg, letzte Chance, keine Behandlungsmöglichkeiten mehr und was es alles noch so gibt: GIB NICHT AUF!

Das alles klingt wahrscheinlich ziemlich anstrengend, oder? Als 2009 mit 22 Jahren erneut das Kontrastmittel bei dem Halswirbel C1 hell aufleuchtete, hatte ich definitiv die Nase voll. Alle guten Dinge sind drei oder was?! Erst als Kind, dann als Jugendliche und zuletzt im Erwachsenenalter. Im Erwachsenenalter erkranken ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, denn da gehen einem nicht nur dermaßen blöde und irrelevante Dinge durch den Kopf, die der Heilung im Weg stehen, nein, man ist auch körperlich ein Wrack!

Die Odyssee des letzten Rückfalls hatte ihre Spuren hinterlassen. Mein Geist demonstrierte, mein Körper war müde geworden und mein Rückenmark glich nicht mehr einem starken Strang, sondern einem Faden. Eine Lösung musste her. Noch bevor mein Onkologe irgendwelche medizinische Maßnahmen ergriff, bereitete ich mich schon auf den nächsten Kampf vor. Dieser Kampf war symbolischer Natur. Die Kurzversion ist, dass ich mir die Haare abrasierte, wie eine Art symbolische Chemotherapie. Vermied zuckerhaltige Ernährung, weil ich dem Tumor keine Chance geben wollte sich gierig zu nähren. Mein Vater und ich reisten auf die Zugspitze, um der Höhenangst endlich adieu zu sagen und meine Mutter organisierte einen Trip zu einer 700 Km entfernten Heilerin.

Das Ende vom Lied? Der Tumor bildete sich zurück und ist seit 2012 mit 6mm x 12mm nahezu unverändert und stabil. Deshalb, aktiviere den Kämpfer in dir. Dem Schicksal kann man sich auch später stellen. Oh, dazu fällt mir ein, vielleicht sollte ich mein Lächeln irgendwann wieder vom Nagel runter holen 🙂

2017-03-28T14:27:15+00:00 30. Okt. 2016|Lebe!|

Alles um uns herum ist Kultur

Vegan au Château de Montreuil sur mer

Kotz, Kultur?! Das is‘ was für Schnösel und Angeber! Ja, sowas dachte ich auch… früher! Obwohl meine Eltern und Grosseltern großen Wert auf Welterkundung, Lektüre und künstlerische Aktivitäten legten, kann ich mich an keine direkte Konfrontation mit dem Begriff Kultur erinnern. Wir begegneten, ja lebten Kultur, tagtäglich ohne uns dies Bewusst zu sein.
Meine Eltern besichtigten mit mir so gut wie alle der 30 Burgen

und Schlösser im Oberen Mittelrheintal, meine Mutter fuhr mich zum Musik- und Sportunterricht (und der war nicht einmal die Woche, sondern vier Mal, und manchmal zwei Mal täglich). Als ich mit 7 anfing zu lesen, verbrachte ich Nächte mit Tkkg, meine Schwester Klara und Blitz. Die Sommerferien verbrachte ich in Frankreich bei meinen Großeltern. Mein Großvater fuhr mich täglich zum Reitstall, wo ich jährlich eine Reitprüfung ablegte. Zuhause wurde Deutsch und Französisch gesprochen, bei meiner Tante amerikanisch, und im Laden meiner Eltern sprachen viele Gäste den lokalen Dialekt.

Uns wird immer wieder vermittelt, Kultur sei klassische Musik und komische Gemälde, dabei ist Kultur doch alles, was uns umgibt. Tägliche finden kulturelle Begegnungen statt.

Streetart in Boulogne sur mer. Ein Clown auf Folie zwischen zwei Bäumen im Hafen.

Alles was der Mensch gestaltet ist Kultur. Landeskultur, Lebenskultur, Essenskultur, Kunstkultur, Sprachkultur

(Dialekte gehören ebenso zur Kultur) uvm. Die kulturelle Vielfalt ist Endlos. Das Studium an der Universität hat mir die

Augen geöffnet und mir klar gemacht, dass Kultur durch uns alle entsteht, ganz gleich ob arm oder reich, und jeder ein Recht auf deren Vielfalt hat.

Anfang August fand auf der Freilichtbühne Loreley die Oper „Die Zauberflöte“ von Mozart statt. Weisst Du, warum ich dahin gegangen bin, und auch noch alleine? Nur um ein einziges Lied live zu hören! Wahnsinnig? Irgendwie schon, aber geil 😀 Hört’s euch an: Die Zauberflöte (Mozart) – 2. Akt – Arie der Königin der Nacht «Der Hölle Rache». Darauf hab ich meine ganze Jugend gehofft 🙂 

Mitte August waren meine Retter (so nenne ich sie, weil ich dank ihnen noch am Leben bin 🙂 ) ganz in meiner Nähe. Seit

unserer Begegnung im Jahre 2001 führen sie mich in die schicksten Locations aus. Diesmal führte ihr Sonntagsausflug nach Montreuil sur mer ins Restaurant Château de Montreuil. Der Koch war so lieb und bereitete extra vegane Gourmetteller vor. War herzhaft gut.

Ende August, bei einem Hafenspaziergang in Boulogne sur mer, dann diese geile Streetart Begegnung. Weiter so! Unsere Strassen können nicht bunt genug sein. Hoffen wir mal, dass die Folie den Stämmen nicht schadet.

Mozerts Zauberflöte auf der Loreley Freilichtbühne St. Goarshausen

2017-03-29T14:29:04+00:00 29. Aug. 2016|Unterwegs|