Road trip 2015

Ein 6000 Km Roadtrip in 51 Tagen

23. August 2015

Vor 42 Tagen ging die Reise ins (teilweise) Unbekannte los. Seitdem wurden über 5000 Km zurückgelegt.

Los ging’s von Boulogne sur mer Richtung Monts-sur-Guesnes, unterhalb von Tour, zu meinem Onkel. Die Fahrt dorthin hatte wirklich nichts aufregendes – Autobahn, Zahlstellen, Felder. 40 Km vor Monts-sur-Guesnes endet die Autobahn und ab hier ist Bundesstraße angesagt. Mja, in Deutschland würde man die hier sogenannten „Bundesstraßen“ teilweise eher „Weg“ nennen. Gut, nach 550 Km kommt einem die Fahrt schon lang vor und man will einfach nur ankommen also scheissegal ob Bundesstraße oder Weg, vollgas!

Die Bundesstraße

Die Bundesstraßen haben ein Tempolimit von 90 km/h. Anhand des Bildes kann man sich vorstellen, dass es hier eher wie auf ’ner Rallye zugeht. Wir befinden uns außerdem hier in einer sehr wichtigen Agrar-Region. Felder Kilometerweit, zig Burgen, leere Dörfer und Dutzende mega Traktoren, die ebenfalls mit Speed unterwegs sind. Kurz vor Ankunft wäre es dann fast um mich geschehen. Enge Kurven, 90 km/h auf dem Taro und plötzlich „Stop in 150 m“. Der Blick auf den sehr schnell näher kommenden 40 Tonner voll beladen bis oben hin mit Stroh machte die Vollbremsung nicht angenehmer.

 

Die ehemaligen Stallungen in alter Handwerkskunst umgebaut.

Endlich erreiche ich das Kaff, Monts-sur-Guesnes, und das kleine Häusschen… WTF!

Die ehemaligen Stallungen von der Burg… 400 m² Wohnfläche… in Restaurierung… Um’s gleich richtig zu stellen: Nein, ihm gehört dieses tolle Anwesen nicht. Er durfte dort lediglich einige Zeit hausen 🙂

Auf dem linken unteren Bild sieht man türkis-

Das Prinzessinenzimmer mit Blick auf die Burg

farbene Balken an der Decke. Im Mittelalter wurden diese so angemalt, um die Fliegen fern zu halten. Das gesamte Gebäude besteht aus weichem beigen lokalen Gestein, so wie die meisten Häuser in der Gegend.

 

 

 

 

Der Wald von Scévolles

Neben einem 4 ha großen Teich, von Freiwilligen angelegte Holzspiele, Figuren, Entdeckerhütten und unzählige Beschreibungen, ist einer der Wanderwege sogar „Tourisme & Handicap“ labelisiert. Der 1600m lange Weg ist für alle zugänglich, sogar mit Rollstuhl. Die Bilder entstanden auf dem Akazienweg (5000m).

Festival d’Yzeures

Heisssss! Es knallt und zwar so richtig! Ausgetrocknete Felder, tausende Besucher, Staubwolken! Shaka Ponk ist sehenswert!

Manstone – Aldawa – Yaniss Odua & Artikel Band – Shaka Ponk und High Tone feat. Oddateee haben das Feld gerockt.

 

La vallée des singes

Ich bin kein Anhänger zoologischer Parks und eingesperrter Tiere. In diesem Park sah ich zum ersten Mal glückliche Affen in „naturtreuen“ Gehegen mit echten riesengroßen Bäumen, Gras und Bächen. Spielende Affen, was will man mehr?

 

Les Apiculteurs réunis – Monts-sur-Guesnes

Mein Cousin und ich durften René zu seinen Bienen begleiten. Eingemummt wie Schneemänner bei 40°C und dazu noch den Schutzanzug… Nach 15 Min. in der prallen Sonne gab ich auf und schaute aus der Ferne im Schatten zu. Der Imnker – Verein setzt schärfere Massstäbe als die Bio-Kultur vorgibt und unterrichtet Kinder und Erwachsene.

 

Ethni’cité – Les maisons troglodytes de Saint Rémy sur Creuse

Etwa 50 Km von Monts-sur-Guesnes befinden sich die Wohnhöhlen von Saint Rémy. Ein Umgebungswechsel ist hier garantiert! Schon von weitem sieht man den Felsen in der kargen Landschaft. Am Fuss der Häuser wachsen Bananenbäume mit Früchten und andere exotische Exemplare. Banenen in Frankreich? Ja! Ich konnte es auch kaum glauben, aber aus jedem 4. Garten sprießt solch ein Ding.

 

Elsass & Schweizer Alpen

Vom Grimselpass zum SidelhornAm 2. August ging die Fahrt weiter in den Elsass und in die Schweizer Alpen. Dank Ritalin konnte ich die 760 Km nach Bergheim im Elsass ganz gut meistern. Dort angekommen war wie nach Hause kommen – endlich wieder Gebirge in Sicht! Zwei Tage später hieß es wieder Volle Fahrt voraus und Richtung Grimselpass mit meinem Elsässer Kumpel.

Die Reise dorthin konnte natürlich nicht stattfinden ohne einen Halt an der Quelle des seit meiner Geburt begleiteten Flusses zu machen: Der Wasserfall von Schaffhausen.

Das Wetter war perfekt und die Strassen waren nicht mit Touristen überfüllt. Wir parkten auf dem grossen Parkplatz in der Stadt. Ein 10 minutiger Fussmarsch führte uns schliesslich zur Quelle des Rheins… und zum Schauplatz aller Touris! Grosse, kleine, dunkle, helle, behütete, behinderte, schmale, maskierte Menschen liefen wirr wie die Ameisen umher. Erst Mal ein Sandwich, Menschen ausblenden und bestaunen.

Geladen voll positiver Ionen fuhren wir weiter zum Grimselpass. Die Auffahrt zum Grimselpass ist einfach überwältigend! Irre Berge, irre Seen und millionenschwere Staudämme!

Das einzig freie Hotel war das Hôtel du Rhone… Für 190 Tacken die Nacht erwartet man wenigstens eine schließende Badetür. Da bringt auch die nostalgische Wanne nix!

Egal, endlich in den Alpen, und so langsam steigt auch die Einsamkeit… kein Internet, kostenpflichtige SMS, kein Empfang nach Deutschland,…, Ja, ich bin Opfer der modernen Zivilisation!

Nach einer sehr erholsamen Nacht stand der Marsch zum Sidelhorn auf dem Plan. Gewaschen, gesättigt und gerüstet fuhren wir wieder hoch zum Grimselpass und die Tour began. Mein Kumpel hatte die Wandertour einige Jahre zuvor in drei Stunden vollbracht. Aufgrund meines Handicaps berechneten wir, dass wir gute 5 Stunden bräuchten. Mein Rucksack war vollgepackt wie immer und los ging’s: Morgens halb 10 in der Schweiz. Es war wunderschöns wolkenloses Wetter mit Temperaturen um die 25 °C.

Der Parkplatz war relativ gut beparkt, aber der Aufstieg war fast menschenfrei. Wir trafen hier und da ein paar nette Wanderer und „Grützli“ war in den nächsten Stunden unser Standardwort. Die ersten Stunden verliefen wunderbar und ich hielt ganz gut mit, aber dann machte mir der Berch un die Luft richtich zu schaffe. Durch den ehemaligen Luftröhrenschnitt und den Pneumothorax bleibt mir eine Lungenkapazität von ca. 68 % 52%. Das machte sich jetzt schön bemerkbar ^^ Wie ein Gaul auf der Rennbahn schnaufte ich und trank was das Zeug hielt. Zwischen drin zückte ich Traubenzucker oder ein Rocher. Ja, Oma hatte eine ganze Ladung per Post geschickt! Nach etwa 3,5 Stunden standen wir nun unterhalb des Sidelhorns und ich wollte einfach nicht mehr. Oben ankommen is ja schön, aber man muss auch wieder runter, gelle. Also saß ich da, bereit aufzugeben und genoss die traumhafte Aussicht und war beeindruckt im August Eis unter meinen Füßen zu spüren…

Ab nun an war’s nur noch eine Kletterparti… Ich und körperlich Aufgeben… träumste ^^ Beine unter die Arme, Fresse halten und ab ging die Lutzi. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie froh und stolz ich war endlich oben anzukommen!Der Abstieg war, im Gegensatz zum Aufstieg, ein echter Alptraum. Anstatt denselben Weg runterzugs zu nehmen, nein, mein Kumpel wollte einen anderen Weg gehen. Wäre auch zu einfach gewesen ^^ Du stehst also da auf 2700 m Höhe, hast gerade alles gegeben, hast kaum noch Nahrung und Wasser und bist vor allem Gehbehindert. Sozusagen die optimalen Voraussetzungen für eine erfüllende Wanderung. Die ersten Meter bergab ging’s balancierend über riesige Steinbrocken und dann begann der Alptraum aller Spastiker. Bilder vom Abstieg gibt’s keine. Da war ich längst in den Überlebensmodus übergegangen. Der Berg war schon steil und der Boden übersät mit haltlosen Steinbrocken. Mein rechter Fuß überdehnt sich nach Rechts, wenn kein Halt geboten ist… Lauf mal einen Berg ab mit einem Fuß der kontinuierlich nach Rechts knickt. Viel Spass. Die folgenden 4 Stunden verbrachte ich also damit jeden Tritt genaustens zu kalkulieren, den Fuß an jeden Stein schräg anzusetzen, das Gewicht auf das linke Bein zu verlagern… Ich wusste, dass bei der kleinsten Aufmerksamkeit der Knöchel regelrecht durch die Haut schießen würde. Weinen hätte ich können vor Schmerzen. Und dann fragste dich, was gibt es für Alternativen. Bergrettung? ADAC? Musste das selbst zahlen? Da du zur armen Fraktion gehörst schlägste dir das ganz schnell wieder aus dem Kopf und läufst einfach weiter und hoffst dir nicht den Knöchel zu brechen und bald auf ’ne Quelle für Wasser zu stoßen. Und irgendwann, irgendwann, sieht man aus der Ferne wieder Land, einen Parkplatz und Autos… Ja, nur noch 2 Stunden!

Wir haben insgesamt 9,5 Stunden gebraucht und diese 9,5 Stunden werde ich nieee vergessen! Alle Emotionen waren vertreten. Vom Tetraplegiker zum Sidelhorn! Geil! 🙂 Wie schon erwähnt war der Abstieg mehr als schmerzvoll. Der Nagel ist mittlerweile noch vorhanden aber abgestorben. Und rechts sieht man einen 1a Sonnenbrand. Klar, die Sonne dort oben gibt alles. Die weisse Stelle auf dem Hals ist bereits abgezogene Haut. Ja, wie ’ne Schlange! Hrhr! Aber das war’s sowas von Wert!! Nach 2 Stunden Autofahrt erreichten wir abends dann unsere neue Bleibe für die nächsten zwei Tage – Sitten. Dort war es so unerträglich heiss, dass ich zwei Tage auf dem Sofa vorm TV verbrachte und die Brühe nur so lief trotz Ventilator.

Montreux, Neuchâtel und der Staubdamm von Dixence

Montreux

Nach zwei Tagen Sitten verlief die Fahrt weiter nach Neuenburg (Neuchâtel) zu weiteren Freunden von meinem Kumpel. Der Weg führte am Genfersee vorbei und ich wollte unbedingt bei den Neureichen in Montreux Halt machen. Gesagt, getan. Die Sonne hatte auch heute wieder mal kein Erbahmen als wir direkt einen Parkplatz am „Strand“ fanden. Na ja, Strand ist unangemessen… 50 Meter weiter sah man einen eingegrenzten Bereich mit Sand, fast übereinanderliegende Menschen und daneben Schotter-Wiese für die nicht ganz so Reichen. 15 Min. Pause, eine geschmolzene Yogurette und weiter gings.

Als wir abends ankamen feierten sie im Wald. Es herrschte eine ganz besondere Stimmung. Diese Nacht gehört zu den unvergesslichen Momenten einer Reise 🙂 Auf dem Bild sieht man den Gartenausblick. Herrlich. Das war meine erste Meditation mit Blick auf den Neuenburgersee 🙂 Absolut empfehlenswert!

Kurz vor Abreise fuhren wir hoch zum Staudamm von Dixence, dem schwersten Staudamm der Welt. Auf der Fahrt dorthin begrüssten uns zwei Murmeltiere. Die ersten in freier Natur, die ich sehe 🙂 Um 8 Uhr standen wir allein vorm Staudamm. Die Touris waren wohl noch alle im Bett. Also wurde erstmal herzhaft gefrühstückt. Gestärkt konnte die nächste Expedition starten. Keine Angst, wir liefen nur etwa zwei Stunden, weil die Rückreise anstand, aber diese zwei Stunden waren ebenfalls der Knaller. Trotz des künstlichen Staudammss ist die Landschaft einmalig schön. Riesige Tunnel führen am Staudamm entlang und enthüllen jedes Mal eine andere Augenweide.

Aber alle guten Dinge haben ein Ende und so traten wir nach zwei Tagen die Fahrt zurück in den Elsass an… Dort vergingen zwei weitere Tage und nach 760 Km, viel Ritalin, war ich endlich zurück in Monts-sur-Guesnes.

Ich bin sehr glücklich über diese Reise, weil ich viel über andere, aber vor allem über mich selbst gelernt habe. Heute weiss ich, dass trotz der Behinderung ich genau so auf den Berg komme wie andere. Ich brauch eben nur etwas länger. Seitdem ich zurück bin fahre ich auch wieder Rad. Wie angenehm das auf einmal wieder sein kann. Fast täglich fahre ich nun meine 15 Km in 60 Min., relax, mit Landschaft ankucken und so. Hab doch Zeit 🙂 Tja, am 1. September geht’s dann zurück nach Hause… Und der Ernst des Lebens nimmt wieder seinen Lauf…  Aber hey, Roadtrip 2016… Gibt’s Sponsoren? 😀

August 23rd, 2015|Sur la route, Unterwegs|

Spaziergang bei Audreselles

Jetzt wo ich in den Lauf-Modus gekommen bin, bloß nicht aufhören! Gestern ging’s mit den Hunden Richtung Audreselles. Niemand weit und breit. Nur wir, inmitten von riesigen Leinenfeldern 🙂  Es braucht keine Weltreisen, sondern nur ein bisschen Neugierde und Mut sich auf die menschenverlassenen Wege zu begeben 🙂

 

Juni 24th, 2015|Unkategorisiert, Unterwegs|

Mein indischer Doktor – Kampf gegen Krebs Dokumentation

“ Mein indischer Doktor“ ist eine sehr interessante Dokumentation von ARTE über den Kampf gegen Krebs. Interessant deshalb, weil die traditionelle ayurvedische Heilkunde sowie westliche Medizin gegenüber gestellt werden und schließlich einen gemeinsamen Nenner finden. Sie zeigt die faszinierende Reise nach Indien des Herr Professor Thomas Tursz vom Institut Gustave Paris (wo ich seit 2001 behandelt werde) mit einer ehemaligen Patientin.

 

Von dem Wunsch beseelt, sein Wissen auf den Prüfstand zu stellen, folgt Professor Thomas Tursz, ein anerkannter französischer Onkologe und Leiter des Instituts Gustave Roussy in Villejuif bei Paris, seiner ehemaligen Patientin Nella Banfi nach Südindien. Denn dort wurde Nella dank der indischen Medizin von ihrem Krebsleiden geheilt.
Nella Banfis Geschichte ist bewegend: Aufgrund ihrer Krankheit geriet sie in die aufreibende Maschinerie der modernen Medizin, musste Operationen und verschiedene Behandlungen über sich ergehen lassen und war ständig von Ängsten und Zweifeln geplagt. Schließlich entschied sie sich, ergänzend zu den westlichen Heilmethoden, für einen anderen Weg und wurde wieder gesund. Professor Thomas Tursz folgt seiner ehemaligen Patientin nach Indien, um eine völlig andere als die ihm bekannte westliche Medizin zu entdecken.
Die Dokumentation will weder Lehren erteilen, noch beansprucht sie die Wahrheit für sich. Vielmehr zeigt sie, dass die Globalisierung auch positive Seiten hat, dann nämlich, wenn sie die Begegnung verschiedener Kulturen und Traditionen fördert und gegenseitige Bereicherung und das Voneinanderlernen ermöglicht. Außerdem veranschaulicht der Dokumentarfilm, wie durch die Verbindung von traditioneller Medizin, Wissenschaft und moderner Medizin der Patient ins Zentrum des Heilungsprozesses rückt und der Mensch, nicht nur die Krankheit behandelt wird. Der ebenso tiefgründige wie unterhaltsame Dialog zwischen der westlichen Allopathie und den seit 5.000 Jahren existierenden ayurvedischen Behandlungsmethoden wirft ein völlig neues Licht auf Krankheit und Heilung – zwei universelle Themen, die jeden Menschen betreffen.
Quelle: Youtube

Januar 6th, 2015|Gesundheit|

Klettern mit Behinderung

Klettern bringt Körper und Geist in Einklang. Wer an der Wand hängt, der denkt an nichts anderes mehr. Man ist vollkommen auf den Moment fixiert und hofft nur, nicht abzurutschen, trotz Sicherung. Klettern ist Balsam und kann mit körperlicher oder geistiger Behinderung praktiziert werden.

Eine französische 5B. Man sieht den rechten Fuß nach innen zeigen.

Wie ich zu diesem Sport kam ist reiner Zufall. Im Krankenhaus empfahl man mir diesen Sport mal auszuprobieren, um die Bein- und Rückenmuskulatur zu stärken. In meiner Jugend war Sport meine Religion und nach der erneuten Erkrankung suchte ich verzweifelt nach einer geeigneten Sportart. Trotz mega Höhenangst schrieb ich mich im Februar 2014 in einem Kletterverein ein. Klar, zwar war da die Höhenangst, aber auch die Angst ausgelacht zu werden aufgrund der Körperbehinderung. Man sieht sie eben und das ist krass unangenehm.

Im Gegensatz zu den „Normalos“, funktionieren bei mir an der linken Hand nur drei Finger und die Hände haben wenig Greifkraft. Das rechte Bein kehrt stark nach innen und hat kaum Tragekraft. Ein sehr ambitionierter Kletterer bot mir seine Hilfe an und so fanden wir nach und nach immer neue Möglichkeiten und Techniken die 9 Meter hohe Wand zu bezwingen.

Ganz wichtig bei wenig Kraft in den Händen ist die Verwendung von Magnesia (Chalk). Und ganz ehrlich, scheiß drauf, wenn es jemanden nicht passt. Wer gesunde Hände hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es für uns ist. Das allerwichtigste sind jedoch die Schuhe. Angefangen hab ich mit mit dem Scarpa Force X. Er ist der ideale Anfängerschuh, da er sehr gut gepolstert ist und eine sehr flexible Sohle hat. Nach zwei Jahren und bin dann zum Red Chili Sausalito IZ umgestiegen. Er ist eigentlich für den Felsen gedacht und hat deshalb eine sehr harte Sohle. Im Gegensatz zum Force X ist er nicht nur ein Schnürer, sondern hat eben auch eine viel dickere Sohle, die das ertasten unmöglich machen. Gerade aber die feste Sohle wird zum Vorteil bei Menschen mit einer Spastik. Die Fußspitze knickt nicht mehr ab und der Fuß bleibt stabil. Für den Anfang empfehle ich trotz allem den Force X, um die Zehen langsam an die Qualen heranzuführen 🙂

Obwohl ich wohl nie über die Schwierigkeitsskala 5C (Mitteleuropa 6) hinauskommen werde, bin ich trotz allem so richtig proud of me 🙂 und kann den Sport jedem wärmstens empfehlen, weil er nicht nur nur körperlich fit macht, er fördert auch das Selbstbewusstsein. Vor allem beim Absichern des Partners, wo vertrauen höchste Priorität hat.

Februar 11th, 2014|Living|

Mein Methylphenidat – Tagebuch ( Ritalin, Ritalin LP, Equasym )

Nov.2016: Wusstest Du, dass die Medikamentendosis von Deinem Apotheker neu präpariert werden kann? Ab sofort transformiert mein hilfsbereiter Apotheker die Ritalintabletten in 2,5mg 3,3 mg Tabletten statt der standardmäßigen 10 mg.

Sep.: 2016 Seit der Wiederaufnahme des Studiums im Sep. 2015 nehme ich wieder Ritalin. Ich habe gemerkt, dass mir 2,5- 5 mg, bei Bedarf, völlig ausreichen. Klar, Nebenwirkungen treten immer wieder mal auf: Migräne, Tunnelblick, fehlende Muskelkraft, mentale Konfusion. Vor allem beim Klettern komm ich mit Ritalin überhautpt nicht klar, beim Radfahren zum Abpowern aber schon. Als im Mai die Semesterprüfungen anstanden und mein Alltag nur noch aus Uni und Bibliothek bestand, da war ich ganz froh unter Ritalin zu stehen. Hat zwar auch zum Zombie aussehen beigetragen, aber gut. Alles hat seine Vor-und Nachtteile. Man muss Kompromisse eingehen können.

Tag 1, 8. April 2014

9:42 Uhr : Einnahme 10 mg kurz vor dem Frühstück

10:07 Uhr : Wahrscheinlich Einbildung, aber ich fühle mich leicht benebelt. Wie leicht betrunken oder bekifft, jedoch nur im Kopf und trotzdem ist alles klar.

11:46 Uhr : Ich fühle mich viel wacher, wie aufgewacht nach einem langen Tiefschlaf, einfach wach, wie lange nicht mehr. Habe staubgesaugt, aufgeräumt ohne Pausen einzulegen und Musik gehört. Ein leichtes Verlangen nach mehr setzt ein. Die Gefühlswelt verstärkt sich gerade sehr. Ganz komisch.

13:52 Uhr : Rémi und ich waren spazieren und haben bei Oma gegessen.

14:52 Uhr : Jetzt bin ich müde. Rémi ist gerade weg. Schlafen will ich aber nicht. Gleich kommt Star Trek, dann schauen wir eben das.

19:02 Uhr : Nach leichten Schmerzen in der Herzgegend, kam Hunger auf. Konnte einen normalen Teller essen.

22:10 Uhr : Seit einigen Stunden schmerzt es immer wieder in der Herzgegend. Es ist ein beklemmendes Gefühl und dadurch verstärkt sich die Atmung.

23:02 Uhr : Schmerzen weg.

00:00 Uhr : Ab ins Bett.  Vielleicht noch etwas lesen.

Tag 2, 9. April 2014

9:30 Uhr : Gerade aufgestanden. Einschlafen gestern ging problemlos. Mir geht es recht gut. Werde Frühstücken und das Ritalin unmittelbar davor nehmen.

22:37 Uhr : Ganzen Tag aktiv gewesen. Gegen 18 Uhr schwere Müdigkeit, was gegessen und ab zum Klettern. Das Klettern war einfach furchtbar. Fühlte mich total erschöpft, als wäre ich Marathon gelaufen, und vermehrtes Schwitzen. Nicht mal drei Bahnen geklettert… Schlimm… Nasenbrennen.

Tag 3, 10. Aprifl 2014

8:08 Uhr : Alpträume. Und jetzt wieder hellwach. Ich weiss nicht, ob das alles so toll ist.

9:11 Uhr : Frühstück mit Ritalin. Will wieder normal klettern können.

22:18 Uhr : Es ist beängstigend. Hatte Unterricht an der Kunstschule und hatte Angst nicht mehr malen zu können, genau das Gegenteil ist der Fall. Heute gelang es mir was zu malen, wofür ich früher nie Geduld gehabt hätte. Und so malte ich ca. 3 Stunden lang ein Portrait aus Kreisen. Vor Unterrichtsbeginn kamen jedoch grosse Zweifel hoch und das beklemmende Gefühl war wieder da und die Angst, anders zu werden. Heute konnte ich wieder vollkonzentriert Arbeiten. Fühl aber, dass ich mich immer mehr zurückziehe. Immer mehr in mich kehre. Anscheinende entstehen wieder zwei Welten. Wie vorher.

Tag 4, 14. April 2014

9:12 Uhr : Fühle mich wie erschlagen. Aufstehen war wirklich schwierig. Gleich frühstücken.

Tag 5, 12.April 2014

11:12 Uhr : Ritalin um 10:45 Uhr genommen, um für’s Klettern fit zu sein. nachdem gestern ein ein „ganz toller“ Tag war, hoffe ich, dass die Gefühle nicht schwinden es sich nicht in Aggressivität umwandelt. Wir hoffen das Beste.

Tag 7, 14. April 2014

9:53 Uhr : Heute Dosiserhöhung auf 20 mg. Klettern gestern war okay. Ich fühle mich soooo müde, bestimmt von den vielen Emotionen der letzten Tage. Am liebsten würde ich schlafen, aber hier gibt es so viel zu tun . Ich bemerke gerade meine unglaublich regelmäsige Schrift auf dem Papier.

14:54 Uhr : Erschöpft. Schwach. Mir geht’s irgendwie nicht so gut gerade.

Tag 9, 16. April 2014

10:20 Uhr : Nehme heute früh 10 mg und gegen 14 Uhr / 15 Uhr die nächsten 10 mg, um für’s Klettern fit zu sein. Aufstehen bzw. Wachwerden war in den vergangen Tagen echt schwierig.

00:11 uhr : Rémi und ich waren laufen und bin deswegen nicht zum Klettern. Zwischenzeitlich Zwangsgedanken, womöglich, weil mich wieder irgendwas nervt. Jetzt bin ich wachPennen wäre doch ganz gut.

Tag 10, 17. April 2014

12:58 Uhr : 20 mg gegen 10:45 Uhr. Diese Zwangsgedanken !!  AAARG !! Einfach nervig !!

Tag 1″, 10. April 2014

7:32 Uhr : Scheiss Ritalin. Zwangsgedanken ohne Ende! Alpträume ! Gestern ging’s mir so schlecht, dass ich Angst hatte ins Krankenhaus zu müssen. Lag vielleicht an mangelnder Ernährung. Wat soll’s. So geht’s.

12:33 Uhr : Konnte nicht Frühstücken zum Ritalin, weil wieder was vorgefallen ist.  Mir war’s später am Morgen so extrem schwindelig. Schnauze voll von den Sorgen. Brauche Asyl in Afghanistan oder auf einer einsamen Insel.

Tag 15, 22. April 2014

22:07 Uhr : Den ganzen Tag Euo-Paletten zerlegt. Dann kam der Anruf, dass Noisette (mein Schaf) krank ist und so sind Rémi und ich in Windeseile mit ihr und Chocolat (um sie zu beruhigen) mit dem Peugeot 106 zum Tierarzt. Starker Durchfall. Geil. Zum Glück lagen im Auto überall Handtücher aus. Erneut schwarze Gedanken

Tag 17, 24.April 2014

13:20 Uhr : Nachdem die schwarzen Gedanken gestern wieder anfingen, habe ich heute nur 15 mg genommen. Die Gedanken sind nicht mehr so ausgeprägt wie die letzten zwei Tage. Allerdings hören die Sorgen nicht mehr auf…

22:47 Uhr : Lese weniger gut. Verwechsel Wörter, verstehe Zusammenhänge nicht, vergesse äusserst wichtige Sachen wie Umschauen beim Strasseüberqueren, Käfigtür schliessen usw.

Tag 28, 4.Mai 2014

19:22 : Vor etwa einer Woche wurde ich auf Equasym 20 mg umgestellt (hätte angeblich weniger Nebenwirkungen). Eine Wirkung trat nur am ersten Tag ein. Danach alles wie gewohnt: Tagträumen, x- Stunden zum Aufräumen gebraucht. Da keine Wirkung mehr auftrat, wurde m 2. Mai 2014 auf 30 mg erhöht. Die ersten zwei Tage waren okay. Die Kreativität hat freien Lauf. Kreiere Sachen, die vorher nicht möglich gewesen wären, aber es hört auch nicht mehr auf…  Beängstigend. Seit gestern Abend habe ich starke Schmerzen im Bauch. Habe Angst vor einer neuen Hämaturie, Nachts schlafe ich nicht mehr. Es fühlt sich an, als würde Equasym non stop wirken. Heute wieder Schmerzen im rechten Nierenbereich, starkes Pfeifen in den Ohren, Angstzustände, weil ich merke, dass etwas nicht stimmt. Vergesse viele Sachen, auch wichtige Dinge wie Papiere usw. und ich weiss nicht mehr, wo meine Sachen liegen. Früher beherrschte ich mein Chaos, wusste, wo die kleinste Schraube liegt… Jetzt ist es so, als sei ich Fremd in meinem Zuhause. Wie ein Roboter.

Tag 32, 8. Mai 2014

Seit gestern nehme ich nichts mehr und warte auf das Rezept für Ritalin LA. Das Equasym machte mich noch vergesslicher und selbst Pinkeln wurde vergessen (da ich Katheter nutze bin ich auf mein Gedächnis angewiesen)!! Total Ferngesteuert. Autofahren mied ich ab dem dritten Tag, da der Tunnelblick, die starke Fokusierung, das Schwindelgefühl meiner Meinung eine Gefahr darstellten. Gestern war ich endlich wieder Klettern. Das ging ja vorher gar nicht mehr.

Tag 42, 18. Mai 2014

Am 14. Mai bin ich auf Ritalin LA umgestiegen (ist angeblich auch angenehmer als Ritalin). Bin den ganzen Tag wach, abends erst spät müde und Klettern geht nicht mehr, weil mir die Kraft fehlt. Verwechsele Wörter / Buchstaben (Carolin –> Coralin) , bin verwirrt. Wenigstens die Augenprobleme (Schwanken usw.) sind weniger stark. Zwangsgedanken trage zwei Tage nach Einnahme auch wieder auf. Die Schreibschrift ist hat sich wieder verschlechtert und schreiben fällt sehr schwer. Morgen möchte ich kein Ritalin LA nehmen, weil ich endlich wieder Klettern möchte. Und ausserdem geht mir diese starke Fokusierung echt auf’n Zeiger. Klorollenblick. Wenigstens ist die Vergesslichkeit etwas weniger.

Tag 45, 21. Mai 2014

Habe ich nach zwei Tagen Methyphenidat-Auszeit 10 mg Equasym genommen. War stundenlang wie bekifft, träge, Tunnelblick, Schwanken…Sehr unangenehm. Wie schon vorher unter Equasym schmerzende die Augen, wie bei einer Bindehautentzündung und muss Brille tragen.

Tag 46, 22. Mai 201

9:00 Uhr : Endlich habe ich wieder das normale Ritalin. 5 mg. Alles gut ! Keine bemerkbaren Nebenwirkungen. Lust zu lesen. Auge schmerzt noch von gestern.

16:38 Uhr : Weitere 5 mg um 13:30 Uhr. Keine Beschwerden, nur Kopfweh vom Gelaber anderer.

Tag 49, 25. Mai 2014

12:00 Uhr : Freitag an der Kunstschule traten plötzlich starke Schmerzen im linken Bein auf und abends war ich todmüde. Heute bemerke ich wieder ein leichtes Kribbeln bzw. Taubheitsgefühl in den Fingern. Nehme ein Stück Traubenzucker, vielleicht hilft’s.

4.Juni 2014

Endlich!! Kann wieder klettern! Heute kein Ritalin genommen und siehe da, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich bin so glücklich. Ist zwar noch nicht perfekt, aber es wird wieder. Suuuper !!

7.Juni 2014

Heute war unsere Kunstausstellung. Nachdem der Morgen recht anstrengend war mit Helléborre (Hase), habe ich mich nochmal kurz schlafen gelegt und Ritalin gegen 12 Uhr genommen. Trotzdem fühlte ich mich nicht fit. Gestern waren wir Radfahren und dieser Tunnelblick ist einfach lebensgefährlich !! Die Beinschmerzen… !!

Seit mehreren Tagen habe ich wieder Zwangsgedanken. Normalerweise gehen sie mir richtig auf den Zeiger und ich verfluche sie, jetzt ist es ganz anders, sie begleiten mich irgendwie und ich nehme sie nur noch teilweise wahr. Unter Ritalin kann ich keine richtigen Entscheidungen treffen. Man geht irgendwie so „scheissegal“ durchs Leben. Schwer zu beschreiben. Wenig Emotionen. Trete ich halt ne Ameise platt, oder so. Logische Dinge (Tiere retten) erscheinen mir nicht mehr logisch –> logisch, Ritalin macht NORMAL.  Mein Leben lang war ich hypersensibel, sah etliche Details, nahm rundum vieles wahr. Jetzt gleicht das Leben einem Blick durch eine Klopapierrolle. So will ich nicht sein. Bin doch keine Maschine. Klar, ganz ohne Medikamente komme ich auch nicht aus, da ich sonst in einigen Wochen wieder in eine Schlafperiode verfalle.Vor Ritalin bekam ich 2009 Aricept (Donepezil), um wach zu bleiben und für die Konzentration. Die Einstellungsphase war der Horror, danach lief’s aber gut. Zum Ende hin kamen die Konzentrationsstörungen wieder und starke Schmerzen im linken Bein traten auf und somit musste es abgesetzt werden. Wie’s mit Ritalin & Co. weitergeht weiss ich noch nicht. Mein Onkologe beschafft mir einen Termin im Hôpital Pitié Salpêtrière in Paris bei einem Spezialisten. Schön wäre es, wenn es ein Medikament gäbe, dass mich wachhält und etwas konzentrierter sein lässt.

Ich möchte anmerken, dass zwischenzeitlich immer wieder Halluzinationen in Form von Schatten oder flüchtigen Illusionen während der Medikationauftraten. Diese traten auch schon unter Aricept auf. Laut Psychater werden sie von den Medikamenten verursacht. Bislang konnte ich immer ganz klar Real von Illusion unterscheiden.

Oktober 10th, 0206|Gesundheit, Über...|